Wie die heilige Pfeife zu den Indianern kam
Es gibt eine Geschichte, die erzählt, wie die Pfeife zuerst zu uns gekommen ist. Vor sehr langer Zeit, sagten sie, sahen zwei Kundschafter nach Büffeln aus; und als sie auf der Kuppe eines hohen Hügels angelangt waren und nach Norden spähten, sahen sie von weit her etwas auf sie zukommen; als es nahte, riefen sie:
„Das ist eine Frau!“ – und so war es. Da stiegen in dem einen von den Kundschaftern, der töricht war, böse Gedanken auf, und er sprach sie aus; der andere sagte: „Das ist eine heilige Frau; lass alle schlimmen Gedanken fahren.“
Als sie noch näher gekommen war, da sahen sie, dass sie ein Kleid aus feinem weissem Wildleder trug, dass sie sehr langes Haar hatte und jung und schön war. Und sie kannte ihre Gedanken, und mit einer Stimme, die wie Gesang tönte, sprach sie: „Ihr kennt mich nicht, doch wollt ihr tun, was ihr gedacht habt, so kommt.“
Und der Törichte kam; doch als er vor ihr stand, erschien eine weisse Wolke und hüllte beide ein. Und die junge schöne Frau trat aus der Wolke hervor, und als diese sich verzog, war der törichte Mann ein mit Schlangen bedecktes Gerippe. Da sprach die Frau zu dem, der nicht töricht war:
„Du sollst heimgehen und deinen Leuten sagen, dass ich komme und dass in der Mitte eures Volkes ein grosses Zelt für mich errichtet werden soll.“
Und der Mann, den grosse Furcht erfasst hatte, ging eilig. Er erzählte den Leuten, die sogleich taten, was sie geheissen worden; dann standen sie rings um das grosse Zelt und erwarteten die heilige Frau. Nach einer Weile schritt sie heran, sehr schön und mit Gesang; und dies ist, was sie sang, als sie das Zelt betrat:
„Mit sichbarem Atem ich wandre.
Wie ich gehe, sende ich eine Stimme.
Auf heilige Weise ich wandre.
Mit sichbaren Spuren ich wandre.
Auf heilige Weise ich wandre.“
Und als sie sang, trat aus ihrem Mund eine weisse Wolke; die hatte einen angenehmen Duft. Dann übergab sie dem Häuptling etwas. Das war eine Pfeife; auf deren einer Seite war ein Büffelkalb eingegraben, das die Erde bedeutete, die uns trägt und nährt, und von dem Rohr hingen zwölf Adlerfedern, die mit unzerreissbarem Gras zusammengebunden waren. Sie bedeuteten den Himmel und die zwölf Monate.
„Schau her!“ sagte sie; „damit werdet ihr zu einem zahlreichen und guten Volk werden. Nichts als Gutes kann daraus kommen. Nur die Hände der Guten sollen damit umgehen, und die Schlechten sollen es nicht einmal erblicken.“
Darauf sang sie wieder und verliess das Zelt; und als die Leute ihr, wie sie wegging, nachschauten, war es plötzlich ein weisser Büffel, der davonrannte; und bald war nichts mehr zu sehen. Das erzählte sie, und ob es sich so zugetragen hat, das weiss ich nicht; doch wenn man darüber nachdenkt, kann man erkennen, dass es wahr ist.
Black Elk („Schwarzer Hirsch“)











WORTE DEINES SCHUTZENGELS














































