Pistis Sophia – Die Urmutter

Der Text Pistis Sophia

Pistis Sophia (gr. πίστις: „Glaube“ und σοφία: „Weisheit“) ist einer der wichtigsten gnostischen Texte. Er gibt Lehrgespräche wieder, die Jesus noch nach seiner Auferstehung mit den Jüngern, seiner Mutter Maria, Maria Magdalena und Martha gehalten haben soll.

Die Pistis Sophia behauptet, dass Jesus Christus noch elf Jahre nach der Auferstehung auf Erden gewirkt habe, und seine Jünger dabei die erste Stufe der Mysterien lehren konnte. Der Text beginnt mit einer Allegorie von Tod und Auferstehung Christi, die zugleich den Auf- und Abstieg der Seele beschreibt. Später werden die wichtigsten Gestalten der gnostischen Kosmologie behandelt und 32 fleischliche Begierden aufgezählt, die überwunden werden müssen, um Erlösung zu erlangen.

Die der Neuzeit überlieferten fünf Abschriften dieses Textes sind auf einen Zeitraum von 200 bis 300 nach Christus datierbar. Zu diesen zählen neben dem Papyrus Berolinensis 8502, der in Berlin aufbewahrt wird, und dem Codex Brucianus auch der bekannte Codex Askewianus, den das British Museum 1795 erwarb.

Text: Pistis Sophia (Deutsch, manche Seiten fehlen)
Text: Pistis Sophia (Englisch)

Auszüge aus der Pistis Sophia

And Jesus continued again in the discourse and said: „It came to pass then thereafter, that at the command of the First Mystery I looked down on the world of mankind and found Mary, who is called ‚my mother‘ according to the body of matter. I spake with her in the type of Gabriel, and when she had turned herself to the height towards me, I cast thence into her the first power which I had received from Barbelo, that is the body which I have borne in the height. And instead of the soul I cast into her the power which I have received from the great Sabaoth, the Good, who is in the region of the Right.

(Pistis Sophia, Auszug aus Kapitel 8 )

When the Saviour had finished saying all this unto his disciples, Andrew came forward and said: „My Lord, be not wroth with me, but have mercy upon me and reveal unto me the mystery of the word concerning which I shall question thee, for it hath been hard for me and I have not understood it.“

The Saviour answered and said unto him: „Question concerning that on which thou desirest to question, and I will reveal it unto thee face to face without similitude.“

Andrew questioneth Jesus. And Andrew answered and said: „My Lord, I am astonished and marvel exceedingly, how the men who are in the world and in the body of this matter, if they come forth out of this world, will pass through these firmaments and all these rulers and all lords and all gods and all these great invisibles and all those of the region of the Midst and those of the whole region of the Right and all the great ones of the emanations of the Light, and enter into them all and inherit the Light-kingdom. This matter, therefore, is hard for me.“

That the disciples and the powers are all from the same Mixture.When then Andrew had said this, the spirit of the Saviour was roused in him; he cried out and said: „How long am I to endure you? How long am I to bear with you? Have ye then not even yet understood and are ye ignorant? Know ye then not and do ye not understand that ye and all angels and all archangels and the gods and the lords and all the rulers and all the great invisibles and all those of the Midst and those of the whole region of the Right and all the great ones of the emanations of the Light and their whole glory, that ye all one with another are out of one and the same paste and the same matter and the same substance, and that ye all are out of the same Mixture.“

(Pistis Sophia, Auszug aus Kapitel 100)

Sophia, die Heilige Weisheit
Ikone, 1812
commons.wikimedia.org

 

 Die Gottheit Pistis Sophia

Die weibliche Gottheit des Gnostizismus ist Sophia, ein Wesen mit vielen Aspekten und Namen. Sie wird manchmal als der Heilige Geist selbst identifiziert, aber nach ihren verschiedenen Eigenschaften ist sie auch die Universal-Mutter, die Mutter der Lebenden oder glänzende Mutter, die Kraft in der Höhe, „Die zur Linken“ (im Gegensatz zu Christus, als ihr Mann und „Der zur Rechten“) als die üppige Eine, der Schoss, die Jungfrau, die Frau des Mannes, die Offenbarerin der vollkommenen Geheimnisse, die heilige Taube des Geistes, die himmlische Mutter, die wandernde Eine. Sie ist der Geist der Welt und der weibliche Aspekt des Logos.

Der Titel Pistis Sophia ist unklar, und wird manchmal als „Glaubensweisheit“ oder „Weisheit im Glauben“ oder „Glauben in der Weisheit“ übersetzt. Eine angemessenere Übersetzung im gnostischen Kontext wäre „der Glaube von Sophia“, da Sophia für die Gnostiker eine göttliche „syzygy“ (-eine Art Einheit) von Christus war, anstatt einfach ein Wort, dass Weisheit bedeutet. In einer früheren, einfacheren Version von einer Sophia, im Berliner Codex und auch in einem Papyrus von Nag Hammadi, erklärt der verklärte Christus Pistis Sophia:

„Wieder sagte seinen Jüngern: Erzähl uns deutlich, wie sie aus den Unsichtbarkeiten herunterkam, vom Unsterblichen in die Welt, die stirbt?
Der vollkommene Heiland sagte: Der Menschensohn willigte mit Sophia, seiner Gemahlin, ein und offenbarte ein grosses androgynes Licht. Sein männlicher Namen wird als „Heiland, Erzeuger aller Dinge“ bezeichnet. Sein weiblicher Name wird als „All-Erzeugerin Sophia“ bezeichnet. Manche nennen sie „Pistis“.

Bild: Der mystische Leib
Buchmalerei, Kloster Rubertsberg, um 1165
commons.wikimedia.org

 

Der Engel (Pistis) Sophia

Sophia soll eine der Äonen sein. Für manche der grösste Engel, der die kleineren Engel geboren hat. Sie soll auch die Schlange ausgesandt haben, um Adam und Eva zu verführen. Es gibt viele Darstellungen von ihr, in roter Farbe und mit Flügeln auf einem Thron sitzend (Google Bildersuche: „Sophia Wisdom of God“). Sie verkörpert die Qualitäten von Weisheit und Glaube. Auch hier Parallelen zur Maria, die ebenso als Mutter über alle betrachtet wird, als auch als „Königin der Engel“, zuweilen selbst mit Flügeln dargestellt.

Sophia!

Du, mit wirbelnden Flügeln,
die Energie Gottes umkreisend, umfassend:
Du beflügelst die Welt in deinem Umfangen.

Ein Flügel schwebt im Himmel,
ein Flügel fegt die Erde,
und der dritte fliegt um uns herum.

Lob für Sophia!
Lasst alle Welt sie loben!

 

Hildegard von Bingen

Bild: Sophia mit ihren Töchtern Glaube, Hoffnung und Nächstenliebe
Karp Ivanovich Zolotaryov, 1685
commons.wikimedia.org

 

Die Heilige Sophia von Mailand

Die heilige Sophia von Mailand (* Mailand; † zwischen 117-138 in Rom) war eine wohlhabende Witwe, die sich nach dem Tod ihres Mannes nichts sehnlicher wünschte, als in Rom das Martyrium zu erleiden. Also machte sie sich mit ihren drei Töchtern Fides (der Glaube), Spes (die Hoffnung) und Caritas (Nächstenliebe, Wohltätigkeit) auf nach Rom, wo sich ihr Wunsch erfüllte. Ihre drei Töchter wurden von Kaiser Hadrian nach langer Folter hingerichtet, und Sophia selbst wurde enthauptet oder starb, nachdem sie diese bestattet hatte.

Foto: Hagia Sophia in Istanbul
MarkusMark, commons.wikimedia.org

 

Die Hagia Sophia in Istanbul

Die Hagia Sophia (aus dem griechischen Ἅγια Σοφία „heilige Weisheit“, türkisch Ayasofya) oder Sophienkirche ist eine ehemalige byzantinische Kirche, spätere Moschee und heute ein Museum in Istanbul. Als Kuppelbasilika errichtet, setzte sie im 6. Jahrhundert n. Chr. neue architektonische Akzente. Die Hagia Sophia, das letzte große Bauwerk der Spätantike, war die Hauptkirche des Byzantinischen Reiches und religiöser Mittelpunkt der Orthodoxie.

Bild: Mystische Sophia
Geheime Figuren der Rosenkreuzer, Hamburg, Deutschland, 1785
en.wikipedia.org

 

Links

Sophia Prayers & Gallery

2 Gedanken zu „Pistis Sophia – Die Urmutter

  1. Pingback: Heute, Sophia. | Geschichten

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