Der stille Engel

Foto: Ataraxia

 

Der stille Engel

Es geht ein stiller Engel durchs Leben,
Der mit dem Leben geboren ist;
Ihm ward die hohe Vollmacht gegeben:
Dem Dulder die sinkende Seele zu heben,
Und Demuth zu winken dem, der sich vermisst.

Was wär’ es hier, wenn er uns nicht bliebe,
Wenn er dem Schmerz am Foltergerüst
Erlösend nicht die Kette zerriebe:
Wohl ist er der Unschuld ein Engel der Liebe,
Der rosige Lippen zu Lilien küsst.

Er steht mit Erd’ und Himmel im Bunde;
Kein Bild dem Leben getreuer ist:
Heil ihm! Und Heil der seligen Stunde,
Worin er, mit himmlischem Lächeln, dem Munde
Des Edlen den fliehenden Odem entküsst!

Christoph August Tiedge

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