Die verlassene Kirche


Church Interior with Stone Angel in Foreground
(ca. 1940-1946, Barqah, Libya)
Frank Hurley, 1885-1962
nla.pic-an23566155 – National Library of Australia

 

Eine verlassene, heruntergekommene Kirche. Irgendwo „in the Middle of Nowhere“. Die Türen sperangelweit offen, ob’s regnet oder stürmt. Pfützen am Boden. Der Verputz löst sich von den Wänden. Überall regnet es herein und bildet dunkle Wasserflecken an den Wänden. Die Lampen schon längst kaputt. Das Kreuz achtlos hingeworfen auf der Empore. Das Dach löchrig und halb abgedeckt. Staub, Schmutz, Nässe. Ein Engel, der auch nicht mehr heil ist, mit Löchern an der Schulter und es sieht aus, als sei ihm das linke Auge ausgeschlagen worden. Vielleicht auch ausgeschossen?

Ich möchte den Boden fegen, und, so gut es geht, alles wieder herrichten. Und sei es nur, dass ich das Kreuz von der Empore hole und in die Mitte der Kirche stelle. Schmucklos und lediglich an den Altar angelehnt. Alles reinigen. Ein Blümchen draussen pflücken und auf den Altar legen. Eine Kerze anzünden. Beten.

8 Gedanken zu „Die verlassene Kirche

  1. Da kann ich dich gut verstehen, hier in der Tschechischen Republik war es vor Jahren auch so.. Kirchen oder Kapellchen, die am Wegesrand standen, waren zugemüllt, die Dächer kaputt und die Altärchen herausgerissen und zerstört, teils zum Heizen verfeuert. Gottseidank erkennen die Menschen langsam wieder, dass eine Kirche oder Kapelle , wenn sie nicht gläubig sind, wenigstens kulturellen Wert hat und es wird renoviert und geschmückt.

  2. Jakob Böhme (* 1575 in Alt Seidenberg bei Görlitz; † 17. November 1624 in Görlitz) war ein deutscher Mystiker, Philosoph und christlicher Theosoph. Hegel nannte ihn den „ersten deutschen Philosophen“.

    “ Ein rechter Christ bringt seine heilige Kirche mit in die Gemeinde. Sein Herz ist die wahre Kirche, da man soll Gottesdienst pflegen. Wenn ich tausend Jahr in die Kirchen gehe, auch alle Woche zum Sakrament, lasse ich mich auch gleich alle Tage absolvieren, habe ich Christus nicht in mir, so ist es ein unnützer Tand, ein Schnitzwerk in Babel und ist keine Vergebung der Sünden…“ (J. Böhme)

    Das Bild der verlasenen Kapelle, Eure Gedanken, Ulrike, Barbara berühren mich… neulich habe ich Böhme entdeckt. (Böhme war von Beruf ein einfacher Schuster, seine Schriften beruhen auf eigener mystischer Erfahrung)

    Vieles was er sagt, finde ich in Gedanken des Zen auch wieder…

    euch Beiden auch Blumen, Duft, Freude beim Finden, und Trost, wenn ihr traurig seid…

    herzlich I. C.

  3. Liebe Ulrike und Isabel,

    Danke für’s Gedanken machen und eure Kommentare!

    Mich hat das Bild einfach beeindruckt. Natürlich finde ich es schade, wenn eine Kirche so zerfällt. Ich stell mir dann immer vor, wie sie mal in ihren besten Zeiten ausgesehen haben mag.
    Aber die Betrachtung oben kann man auch als geistiges Bild verstehen, als Gleichniss.

    Auch bei sehr alten Klostergemäuern geht es mir so. Gerade in England beispielsweise hat es viele Klosteruinen und man mag erahnen, wie prächtig die gotischen Bauten einst waren. Zum einen sind solche Fotos seltsam schön, wenn Moos und Gestrüpp alles überwächst und die grosse, hohe Klosterkirche den Blick zum Himmel freigibt, andererseits schmerzt es auch irgendwie. Wahrscheinlich ist das die Nonne von früher in mir…😉

    Grüssle

  4. ich sehe das auch so, dass ich Gott nahe sein kann ohne in die Kirche zu gehen, aber ich bewundere in alten Kirchen auch immer wieder die Kunst und die viele Arbeit, Energie und Liebe, die der Künstler in seine Arbeit gegeben hat.
    Mein Sohn ist Orgelbauer und renoviert auch alte Orgeln hier in CZ, so dass ich dann auch mit der Geschichte der Kirche in Kontakt komme und mit dem Schicksal der Menschen, die in dieser Zeit lebten..
    So ist dies dann wieder Anlass darüber nachzudenken, wie und was sich gesellschaftlich und menschlich verändert hat. Reflektiere mich dann natürlich auch, meine Geschichte im Innen und Aussen.

  5. Liebe Ulrike
    Ja, es ist wahr wegen der Verständlichkeit Böhmes, hilfreich ist die Symbolsprache etwas zu kennen. Ich sehe bei Böhme auch Parlellen zu Paracelsus… so haben die Leute ja zu seiner Zeit gesprochen…Der Bildgedanke in dieser Zeit scheint viel ausgeprägter gewesen zu sein…
    Und die meisten gingen zu Fuss und hatten enorm viel mehr Zeit als wir….sie kannten noch keine Flugzeuge, keinen Zug, kein Autos und kochten mit Feuer und Nachts brannte höchstens mal eine Kerze. aus Bienenwachs. Die Welt der Düfte und Gerüche muss wahrscheinlich auch intensiver gewesen sein als heute….Das Handwerk war wesentlich, von all dem war dieses Denken ja auch geprägt…

    Das was Du von Deinem Sohn erzählst ist spannend, auch wie Dich Geschichte interessiert.

    Liebe Barbara
    Ja, es ist wirklich ein eindrückliches Bild, auch was Du in Deinem Erleben darüber geschrieben hast. Mehr mal mündlich. Unterdessen hab ich noch par mal gepuzzelt. Das ist neu für mich…einmal hab ich sum die 19 Minuten geschafft, schneller krieg ichs nicht hin…. über was ich so staune seit ich Dich übers Zeichnen zum ersten Mal begegnet bin vor gut 3 Jahren ist eben Deine Schnelligkeit. Ich staune immer wieder. In Vielem bist Du sehr schnell. Auch im Denken.

    Einen schönen Tag Dir und Ulrike. morgen gibt es einen Kräutersammeltag.
    Frühlingssalat und den ersten Schnecken guten Tag sagen….

  6. Yes, sie, ( Waltraud und Friedolin ) lassen dich grüssen und fragen, ob die „Himugüegeli“ und Rosenkäfer bei Dir im Garten schon unterwegs sind?

    „Our Lady of Zen“ ist sehr schön geworden, als Gestaltung wie so oft einfach ein Wurf. Das Malerische und graphische haben eine gute Balance und das Gefühl für den goldenen Schnitt scheint eine starke Begabung von Dir zu sein. Möglicherweise in die Wiege gelegt oder soo…

    es ist Regenwetter, kalt, selbst die Schnecken ziehn sich in ihr Haus zurück.
    ( Wohnen auch nur nach goldenem Schnitt)

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