Generation Digital

18 Gäste (ich nicht mitgerechnet): Davon 6 mit Computer, 4 mit Handy, 2 mit Buch, 1 mit Zeitung, 3 Damen miteinander schwatzend, ein Mann und eine Frau ebenfalls sich unterhaltend. Einzig der Zeitungsleser, natürlich älteren Semesters, kuckt zwischendurch länger wie 3 Sekunden auf, versinkt dann aber auch wieder im Papier vor sich, mangels „digitaler Hypnose-Unterlage“.
Die 3 sich unterhaltenden Damen haben mittlerweile auch ihr iPhone oder Android gezückt und bröseln nur noch sporadisch nebenbei das einte oder andere Wort zur Kollegin rüber, derweil sie die „mütterliche Handy-Stulle“ beidhändig auf Augenhöhe fest umklammert halten.

Ich habe vor Jahren irgendwo mal etwas zu den psychologischen Gründen von Spielsucht gelesen. Die bunten Lämpchen, der Hunger nach einer immer verfügbaren, nährenden Mutter, das Piepen und Klingeln, der Hypnose-Effekt und weitere Faktoren spielen dabei eine Rolle.

Wo ist da der Unterschied, frag ich mich manchmal, wenn ich Bus, Bahn, Café oder andere Öffentlichkeiten betrete, und oft 8 von 10 Leuten irgendeinen Bildschirm vor sich haben, sei es Laptop, iPhone, Handy, iPad oder sonstwas. Nur dasitzen und kucken? Nicht doch! Man braucht dann nicht mühsam den Augenkontakt vermeiden – schliesslich ist man ja mit wichtigen Aufgaben beschäftigt!

So wie z.B die Autorin dieser Beobachtungen, haha – mit ihrem iPad im Starbucks in Zürich.😉

Unglaublich: die zwei neu gekommenen, jungen Frauen am Nebentisch reden einfach nur miteinander – aber das Handy in Metallic-Rot liegt zumindest griffbereit da, für die nächste digitale Injektion, die garantiert noch kommt!

Und bei der Dame zu meiner Rechten hab ich zu schnell was anderes gedacht, als sie schwungvoll ein Buch über Mode auf den Tisch legte und einen Happen zu essen – zuerst muss getippt werden. Zu welchem Zwecke auch immer. Der Datenspiegel im Blut sinkt sonst rapide und das kann, schlimmstenfalls, in NO CONNECTION und simplem Dasein enden! Grauenhafte Vorstellung.

Barbara-Paraprem

6 Gedanken zu „Generation Digital

  1. Gut beobachtet. Leider ja, Momo s graue Männeken sind im Anmarsch….
    Pedro Lenz hat das digitalverhalten im letzten SBB Heft auch themaisiert. Isollation, Wohlorganisierter Autismus. Darum setze ich mich oft mit der Lismete in den Zug…. fast immer kommt man ins Gespräch…

    Heute ist Valentinstag. Blumige Grüsse und hoffe dass es Dir recht geht.

    I. C,

  2. Sehr schön beobachtet – wenn ich mit der S-Bahn fahre, dann erlebe ich auch diese Verhaltensweisen. Ich sitze dann da und schaue und höre – irgendwie nett und irre. Letztens lernte ich einen sehr freundlichen Menschen kennen, weil wir beide die einzigen waren, die ohne Geräte und unverkabelt da saßen. Und darüber haben wir dann miteinander geredet. Und wir konnten sicher sein, dass niemand uns zu hörte.

  3. ich versuche, so ziemlich konsequent sparsam mit elektronik umzugehen.
    hab das handy nur dabei, wenn jemand mich erreichen muss. da ich im internet-kafi arbeite, brauche ich keinen eigenen web-anschluss. und zur not kann ich an die eth oder mit meinem netbook in ein kaffee mit hot-spot.
    da ich alleine in einem 12qm-zimmer lebe, nutze ich tv oder radio, je etwa
    1-2h/tag. bücher sind immer noch am besten, und freunde treffen.
    meine erfahrung ist, dass man in einer funktionierenden wg noch viel besser zusammenlebt und noch weniger elektronik und andern wohlstandsmüll braucht. club of rome, der schon vor 20 jahren vieles vorausgesagt hat, hat in der neusten prognose prophezeit, dass sich gruppen von jungen leuten bilden, die wieder wie früher zusammen auf dem land bauern, handwerkern etc. man braucht dann vielleicht höchstens noch ein schmalbandiges web wie früher, was viel strom spart und man wird wieder geräte bauen, die fast ewig halten und nicht veralten. es ändert sich nur etwas, wenn die politischen verhältnisse ändern. zb wird die minder-initiative angenommen mit einem wuchtigen ja, da bin ich ganz sicher, und das ist der erste schritt gegen die bonzen und egomanen

  4. ps: wenn ich genug kraft habe, arbeite ich politisch im hintergrund, zb. unterschriften sammeln, zettel in briefkästen werfen. und ich versuche, wenn ich genug robust bin, leute in der stadt anzusprechen, zb. älteren personen den sitz anzubieten im tram. kürzlich warnte ich eine frau am stock vor dem tram, und sie bedankte sich! das ist selten, die leute starren in ihre kistlein und vermeiden jeden kontakt. zürich war schon immer eine üble stadt, wenn man alleine in den ausgang geht, wird man gemieden, und es ist noch schlimmer geworden. aus meiner erfahrung nützen meditieren oder beten gar nichts, nicht einmal bei einem selber. es kann helfen, etwas zu riskieren, zb. trotz depri an einen treffpunkt zu gehen wie zb. dem solino .. manchmal klappts, oft eben nicht.

  5. ja, kinder erziehen ist heute anspruchsvoll. gegenüber kindern und mitmenschen allgemein ist man nur glaubwürdig, wenn man die werte auch vorlebt, die man propagiert. ich geben zu, auch widersprüchlich zu sein, aber oft geht es nicht anders. zb kann man höchst selten als sozialfall teure bio-ware kaufen, und man muss auch noch sparen zb zahnarzt oder bei kündigung des logis. dafür hab ich zeit zb für abfall-trennen und brauch wenig resourcen mit einem bescheidenem lebens-komfort. für menschen habe ich fast immer zeit

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