Sternenstille

All Pervading (George Frederick Watts, ca.1887, www.wikipaintings.org)

Wenn du der Träumer bist,
bin ich dein Traum.
Doch wenn du wachen willst,
bin ich dein Wille
und werde mächtig
aller Herrlichkeit
und ründe mich
wie eine Sternenstille
über der wunderlichen
Stadt der Zeit.

 

Rainer Maria Rilke, 1899

in: Das Stundenbuch, Erstes Buch: Das Buch vom mönchischen Leben

All pervading (Alles durchdringend)
Frederick Watts, ca. 1887 www.wikipaintings.org

6 Gedanken zu „Sternenstille

  1. R.M. RILKE – Assotiatives…
    Der immer wieder grosse Zauber von Rilke… schwer zu sagen, einesteils bestimmt zu Anzieheungen grosser Frauen seiner Zeit… die mir im Zusammenhang mit seinen Gedichten wie grosse unbekannte Monumente vor dem inneren Auge aufschimmern…Frauen im Aufbruch, einsme Wegbereiterinnen…unverstanden und doch gesehen von Rilke eben…

    Jedesmal wenn ich in Raron im Wallis vorbei komme sehe ich eine von Rilkes Wohnstätten…war es die Letzte? Von Aussen eine kahl erscheinende Burg…jedenfalls sehe ich immer das enge Rhone-Tal und den dadurch sehr begrenzt erscheinenden Horizont. Im Wallis angekommen und endlich Boden unter den Füssen: den Duft , die Wärme und die die Macht und unendliche Weite dieser Fauna… Rilke, ein Reichbeschenkter, der reich beschenkt, seinen Trost an die Seelen. Und was Rilke für mich oft so gross wie hier in diesem wunderschönen Gedicht malt, liebe ich im Miniaturgemälde des Robert Walser. Gegensätze und grosse Klänge der Poesie

    Du Barbara, Perlantaucherin zu besoderen Schönheiten… es tut auch gut, von Dir immer wieder neu beschenkt zu werden… Danke für Dein Fenster im Internet.

    Gute Zeit wünscht Dir
    I. C.

    • Danke Isabel. Robert Walser mag ich auch sehr, auch wenn ich ihn weniger gut kenne. Das wäre ein Impuls zum aufgreifen: mehr reisen, gerade auch zu solchen Orten, die mit so begabten Dichtern in Zusammenhang gebracht werden. Oder einfach irgendwo mehr Natur geniessen.

      Liebe Grüsse

  2. rilke kenne ich kaum. lustigerweise schrieb die bahnhofkirche zürich auch
    am gleichen tag ein rilke-gedicht in ihr weg-wort:

    gott spricht zu jedem nur, eh er ihn macht,
    dann geht er schweigend mit ihm aus der nacht.
    aber die worte, eh jeder beginnt,
    diese wolkigen worte, sind:
    von deinen sinnen hinausgesandt,
    geh bis an deiner sehnsucht rand,
    gib mir gewand.
    hinter den dingen wachsen als brand,
    dass ihr schatten, ausgespannt,
    immer mich ganz bedecken.
    lass dir alles geschehen: schönheit und schrecken.
    man muss nur gehen: kein gefühl ist das fernste.
    lass dich von mir nicht trennen.
    nah ist das land,
    das sie das leben nennen.
    du wirst es erkennen
    an seinem ernste.
    gib mir die hand.

    als nüchterner pragmatiker kann ich mit diesen 2 gedichten
    nichts anfangen .. wenn ich versuche zu interpretieren,
    kommt nichts dabei heraus .. also nur gefühlsmässig
    auf sich wirken lassen .. auch da hänge ich in der luft
    ..die metaphern sind so vieldeutig und widersprüchlich,
    so dass auch meine gefühle unklar bleiben .. ich
    kann es immer wieder konzentriert lesen, es bleibt
    eine eher dunkle scharade, die auch gefährliches
    anspricht

    ich finde, dass es zumindest mir mehr bringt, mich
    mit der realität zu beschäftigen .. zb lese ich
    zz günther wallraff ‚ganz unten‘; diese realität
    ist extrem erschreckend, aber es beruhigt mich,
    weil ich jetzt viel mehr weiss von echter realität

    nun, rilke lebte in einer ganz andersartigen zeit

    http://de.wikipedia.org/wiki/Rainer_Maria_Rilke

    hab seinen lebenslauf nur kurz überflogen

    ..viel leiden, früher tod an blutkrebs. vielleicht
    sind sein gedichte absichtlich so schwer ..
    er studierte freud, schopenhauer, niietzsche etc
    (auch so schwere sachen)
    ..also packte er das alles in wunderschöne lyrik,
    über die ich gern ab und zu rätsle .. sicher
    kann ich da auch gewisse farbstreifen
    konvertieren in meinen lebensfluss

    walter

    • Lieber Walter

      Danke für Deinen tiefsinnigen, schönen Kommentar, und vorallem auch das Gedicht! Es spricht mich sehr an, gerade jetzt, in diesem Moment.

      Aber wie Du ja selbst siehst: Das ist immer eine sehr persönliche, stimmungsabhängige Sache, wie sehr ein Gedicht einem anrührt oder nicht. Manchmal habe auch ich Mühe, gewisse Wendungen in einem Gedicht zu verstehen. Aber ich glaube sowieso, dass Lyrik vom Gefühl her nachgespürt werden muss, und selten vom Verstand begriffen werden kann. Schön dass Du Dir die Mühe genommen hast, es aufzuschreiben.

      Wenn ich so gewisse Worte aus Deinem Kommentar aufgreife, denke ich: Du selbst bist ein Poet.😉 Wenn auch einer, der sich auch für soziale Realitäten sehr interessiert.

      Liebe Grüsse

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