Das

Es gibt etwas, das weder kommt noch geht.
Es ist absolut bewegungslos – wohin sollte es sich bewegen?
Empfindungen, Gefühle, Gedanken kommen und gehen.
Doch in dieser Leere erscheint alles.
In Wahrheit gibt es nichts, das von etwas anderem getrennt wäre.
Der Beobachter beobachtet den Beobachter.
Von welcher Substanz ist er?
Buddhas grenzenloses Mitgefühl ist diese absolute Bewegungslosigkeit,
die sich selbst schaut und zu nichts sagt: du solltest anders sein.
Buddha ist absolute Akzeptanz.
In dieser vollständigen Kampflosigkeit fällt der Schleier
und alles wird offenbar.
Sitzen ist schauen.
Sitzen ist ohne jeden Zweck.
In dieser absoluten Zwecklosigkeit liegt die ganze Freiheit.
Alle sind frei, jetzt, hier.
Wie Lichtfunken mögen die Dinge erscheinen,
doch gibt es da in Wahrheit nichts, was kommt oder geht.
Das ganze Universum mag vor Deinem Auge erscheinen,
und doch ist da nichts was entsteht oder vergeht.
In dieser absoluten, grenzenlosen Stille,
strömt der Odem des Lebens,
der Geist in dem alles erscheint.
Nicht von hier nach dort,
nicht irgendwo hinein oder hinaus,
vielmehr ein absolutes Gegenwärtig-Sein.
Was fehlte diesem Geist, so dass er es erreichen müsste?
Mit dem Ich erscheint das Mein:
meine Gefühle, meine Gedanken, meine Empfindungen.
In Wahrheit gibt es keine Gefühle, Gedanken oder Empfindungen
die einem Einzelnen gehörten.
Wer ist da, der sich Besitzer von solchem nennen könnte?
Wer ist da, der irgendetwas besässe?
Wer ist da, der irgendeine Schuld begleichen müsste?
Und doch magst Du Dich fragen, wieso die eine Frucht
zur Linken des Baumes fällt und die andere zur Rechten.
Schau nicht auf die Frucht.
Schau auf das, in dem der Same erscheint,
bevor er zur Erde fiel, wuchs und Früchte trug.
Kein Dienst ist grösser als dieser.
Aus ihm erwachsen in natürlicher Weise
ein frohes Herz, ein freier Geist und heilbringende Handlungen.
In ihm wird Buddha offenbar.

 

Barbara-Paraprem

7 Gedanken zu „Das

  1. LIebe Barbara,
    ich glaube, auf so wunderbare, liebevolle weise ist mir der Grundgedanke des Buddhismus noch nicht begegnet.Ich danke dir sehr für diesen Text. Ganz besonders berühren mich die Worte:

    „Buddhas grenzenloses Mitgefühl ist diese absolute Bewegungslosigkeit,
    die sich selbst schaut und zu nichts sagt: du solltest anders sein.
    Buddha ist absolute Akzeptanz.“

    und

    „In dieser absoluten Zwecklosigkeit liegt die ganze Freiheit.“

    und

    „In dieser absoluten, grenzenlosen Stille, strömt der Odem des Lebens,
    der Geist in dem alles erscheint.“

    Das lässt mich ganz weit werden und tief atmen.
    Ich danke dir sehr!
    Und ich kann es gerade auch sehr gut gebrauchen, diese liebevolle Erinnerung an das ewige Nicht-polare Sein.

    Herzlich grüße ich dich und wünsche dir ein LIEBEvolles Wochenende.
    Namastée Marina🙂😀

  2. die lyrische qualität obigen poems ist ausgezeichnet

    als pragmatiker und realist muss ich aber die aussagen entschieden
    verneinen

    das leben ist und bleibt kampf, leiden, einsamkeit. jene, die zuweilen
    auch glück, lust, gemeinschaft geniessen dürfen, sind halt vom
    zufall begünstigt, zb in der schweiz leben ist oft schon privileg
    genug

    transzendierende modelle halt ich für fragwürdig, niemand kann sie
    beweisen, oft stecken scharlatane und verbrecher dahinter

    zb fand ich einen artikel im spiegel, wo bagwahn (osho) hitler
    noch besser fand als ghandi!

    es ist oft schon verrückt, wenn man hinter die fassaden von
    so hochverehrten leuten schauen kann!

    ich denke, jesus oder buddha waren auch nur menschen,
    wanderprediger, die nichts geschriebenes hinterliessen,
    und dann wurden daraus kirchen und religionen gemacht

    die welt ein bisschen ändern können nur alle kleinen leute
    auf der welt zusammen..die globalisierung als instrument
    der mächtigen schreit geradezu nach einer neuen
    mobilisierung aller diskriminierten!

    meditieren oder beten änder nichts, höchstens kann man
    damit die innere einstellung etwas verbessern, aber die
    macht des unbewussten ist viel stärker, und das ist gut
    so..wir werden in der heutigen digitalen welt immer
    mehr verkopft, wieso schreien die leute nicht auf und
    machen alle elektronik kaputt, die sie eh nur versklavt?

    • Lieber Walter

      Du sagst: „Das Leben ist…. Leiden…“. Genau das ist auch eine Kernaussage des Buddhismus.
      Und ich gebe Dir recht: Viel was da auf dem spirituellen Gebiet gesagt wird mag den Eindruck von einer „Kopfgeburt“ machen. Auch obige Worte. Doch Worte lesen, sie vielleicht als schön oder auch stimmig zu halten, oder das, worauf sie hindeuten zu erfahren und ganz zu „erfassen“, das nährt oder erhellt den Menschen nicht gleichermassen.
      Und auch ich habe schon von manchen spirituellen Lehrern gehört und sie im ersten Moment vielleicht als sehr strahlend empfunden – bis ich irgendwo etwas gelesen habe, womit ich dann Mühe hatte. Ich denk da an einen Ausspruch von einem Freund: „Wir alle sind krumm.“ Und das gilt auch für die schillerndste Persönlichkeit.
      Ob Buddha oder Jesus jemals eigenhändig etwas aufgeschrieben haben, das weiss man nicht. Man nimmt aber an, dass Menschen, die sie direkt gekannt haben, das getan haben. Inwieweit diese Dinge dann auch haargenau so geschehen sind, ist wieder eine andere Frage. Nimm ein Ereignis: jeder wird es wieder aus einem anderen Blickwinkel betrachten und manchmal auch, bedingt durch die Zeit, „falsch erinnern“.
      Dein Satz „die welt ein bisschen ändern können nur alle kleinen leute
      auf der welt zusammen..“ find ich schön. Das „klein“ darin und das „zusammen“. Und ich glaube, gerade im Kleinen kann grosses Glück und grosse Kraft liegen.
      Ob meditieren oder beten etwas ändert, da scheiden sich die Meinungen. Vielleicht geht es ja auch gar nicht darum, etwas zu ändern, sondern um diesen Frieden, wenn ich nicht mehr ständig gegen dieses oder jenes ankämpfe? Ist es nicht genau das, wonach unsere Herzen sich sehnen: gut genug sein, so wie wir sind?
      Und wegen Elektronik kaputt machen: Älso mein iPad-Schätzelchen…. das wird nicht verkloppt!😉

      Liebe Grüsse

  3. sorry, meinen vorigen beitrag habe ich so ziemlich gefühlsmässig eingetippt,
    das mag in diesem forum anstoss erregen — aber sind nicht direkt geäusserte
    gefühle die besten und ehrlichsten? wir zensieren uns eh ständig mit der ratio der von uns erwarteten werte — meditation und jenseitiges mag gut sein, wenn der mensch mal den heftigsten schmerz überwunden hat, kann er sich vielleicht solchen luxus leisten?

    • Ich versteh das gut: Wenn der Schmerz sehr gross ist, körperlich oder psychisch, dann hat man manchmal kaum mehr Kraft für meditative Praxis, je nachdem was man als Meditation betrachtet. Das muss ja auch nicht immer heissen, still dazusitzen. Und manchmal denke ich auch: Klar haben wir hier in der „westlichen Welt“ gut reden, weil wir in aller Regel ein Dach über dem Kopf haben, genug zu essen und rundum versorgt sind.

  4. ich gebe dir recht, baba. wenn der schmerz nicht zu gross ist, kann man
    mit therapeutischen methoden begrenzte momentane linderung erlangen.
    beten oder meditieren kann man so als selbst-therapie sehen.
    bei vielen gedichten bin ich wohl ein zu analytischer sucher, aber mir
    sind explizite worte lieber. botschaften, die man weder gefühlsmässig noch rational verstehen kann, halte ich sogar für gefährlich ..da wird im unbewussten etwas in gang gesetzt; und mein inneres will sich lieber mit möglichst klaren botschaften nähren.
    elektronik zerstören: ich dachte da an die maschinenstürmer vor etwa 150 jahren, zb in uster -> die zerstörung von maschinen, die uns versklaven, wäre sehr sinnvoll!

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