Apothekerinnen – Die heimlichen Dekor-Fans

Weleda geschenkverpackt
Photo © Barbara-Paraprem

 

Apothekerinnen – Die heimlichen Dekor-Fans

Schon zweimal habe ich in zwei verschiedenen Apotheken, die nebst Medizin auch allerlei Pflegeartikel führen, das selbe Produkt gekauft und es als Geschenk verpacken lassen: eine simple Tube mit Weleda Douche Crème. Und jedesmal wartete ich eine kleine Ewigkeit, bis mir – stolz lächelnd – das Endprodukt überreicht wurde. Sie meinen, dass so eine Tube innerhalb einer Minute in Geschenkpapier gewickelt ist, inklusive Dekorbändchen? Da täuschen Sie sich aber! Nicht das ich hetzen will, gar nicht, ich betrachte das durchaus als Schule zur Geduld. Ja sogar als Anreiz, in Phantasien über ungeahnte Geschenkverpackungen zu verfallen, die jeden in Ekstase geraten liessen. So wartete ich diesmal gespannt darauf, bis die junge Dame wieder aus ihrem Versteck erscheinen würde, was sie just in der Sekunde tat, als mir doch beinahe ein leicht ungeduldiges Nachfragen von den Lippen zu träufeln drohte. Sie strahlte über das ganze Gesicht und händigte mir die Tube, eingepackt in gold-rotes Geschenkpapier, wieder aus. Nun ja: es haute mich nicht vom Sockel. Aber ich anerkannte die Leidenschaft, mit der die Dame offensichtlich zu Gange gewesen war und so versuchte ich mit ebenbürtigem Strahlen aufzuwarten um nicht noch kurz vor Weihnacht ein heimliches Bastelherz zu knicken.

Apotheken sind heutzutage auch nicht mehr einfach nur Apotheken, sondern erscheinen auf den ersten Blick durchs Schaufenster, vorallem zur Weihnachtszeit, oftmals eher als Geschenkboutique voller Engel, Glitzersteinchen und Schneeflocken-Gehängen, unterbrochen von beleuchteten Papierstern-Lichterketten, Honig aus Peru und Kuscheltier-Wärmeflaschen. Jede Apotheke, die zur Weihnachtszeit etwas auf sich hält, hat mindestens ein kleines Gartentischchen im Laden platziert, von dem dunkelroter Organza wallt und auf dem kerzenbetriebene Kitsch-Karusselle drehen, Gips-Engelchen zum Bade-Öl beten und Haarentfernungs-Maschinen, geschmückt mit Christbaumkugeln, glänzend den Kunden zu bezaubern versuchen.

Woher kommen all die als Geschenk fertig eingepackten Schwangerschaftsuhren, Nagelfeilen, Regenbogenkerzen und Lavendel-Granat-Duft-Badeherzen? Arbeiten die Apothekerinnen noch nach Ladenschluss hinten im Büro, Sexual- und Familienleben dem Dekor-Triebe opfernd? Oder werden sie doch einfach nur in einer zentralen Lagerhalle von arbeitslosen Gabelstapelfahrern in mit Goldsternchen bedrucktes Cellophan verpackt, bevor sie in schweizerische Apotheken gelangen? Mysterien über Mysterien…

Barbara-Paraprem

KONICA MINOLTA DIGITAL CAMERA

Photo © Barbara-Paraprem

2 Gedanken zu „Apothekerinnen – Die heimlichen Dekor-Fans

  1. *Lach* – also, wenn wirklich die Apothekerin Dein Geschenk eingepackt hat, dann kannst Du Dich glücklich schätzen, dass sie die Zeit hatte und es einigermassen ansehnlich herausgekommen ist. Meine werden auch nicht gerade Kunstwerke (auch wenn ich mir Mühe gebe).
    Darum … machen bei uns vor allem die Pharma-assistentinnen und die Drogistinnen die Geschenke.

    • Wow, die Pharmama höchstpersönlich hat kommentiert – was für eine Ehre! Hab auch schon bei Dir gelesen. Ich weiss: eigentlich sind die meisten der jungen Damen sogenannte „Pharma-Assistentinnen“ (- oder eben Drogistinnen) und die wirklichen Apothekerinnen sind die älteren (- nicht die Apo-Girlies), die die jungen ankuschen, weil sie den Lippgloss oder die Nierentabletten im Doppelpack nicht auf Anhieb finden…😉 Auch wenn Deine Einpackungen keine Kunstwerke sein sollten: Danke trotzdem! Weihnachtliche Grüsse an die Apo-Päpstin!😉

Write a comment

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s