WOZU DIE EILE – WHAT IS THE RUSH

ZURICH (© Barbara-Paraprem)
Bahnhofstrasse („Train station street“), Zurich

© Barbara-Paraprem

English posting

 

WOZU DIE EILE

Wenn das eine
saftig-grüne Wiese
wäre,
unter meinen
nackten Füssen,
ein blauer, klarer Himmel,
oben,
ein Wasserfall,
kristallklar, kalt,
rauschend,
Bienen, summend,
Vogelgezwitscher,
Blumen, bunt, sich im
sanften Wind
wiegend,
Berge, so weit
das Auge reicht,
hoch, oben,
schneebedeckt,
Luft,
Frieden,
atmend,
ein und aus,
ein und aus,
und nirgendwohin
gehen,

wozu
dann
die Eile,
Geschäftigkeit,
Hetze,
so tun, als
sei
irgendwas
von allerhöchster,
von lebensnotwendiger
Dringlichkeit,
so tun, als
müsst man
irgendwohin,
den Weg
freikämpfend,
um
überhaupt noch
einen letzten,
winzigen,
schon längst nicht mehr
fassbaren Rest
an Wichtigkeit
in den Kopf hinüberzuretten,
wenigstens
ge braucht werden,
wo niemand wartet,
wenn schon nicht
erkannt und geliebt.

Barbara-Paraprem

 

Jeder kennt das: man geht in eine (Gross-)Stadt und wird automatisch von dieser Aggressivität und Hetze mitgerissen. Es gilt als normal, nicht nur einfach schnell zu gehen, sondern sich, koste es was es wolle, den Weg freizukämpfen. Entweder mit grober, körperlicher Gewalt, auf jeden Fall aber alle paar Schritte geistiger Widerstand: ‚Lasst mich durch! Aus dem Weg! Ich will…! Ich muss…!‘ usw.

Ich mache zuweilen gerne die bewusste Übung, mich davon nicht anstecken zu lassen. Dazu gehe ich so langsam, dass mich die Menschen ankucken, als käm ich von einem anderen Stern: ‚Was ist denn mit der los? Hat sie nichts zu tun? Steht sie unter Drogen? Spinnt die?‘ Und nicht nur den Anschein erweckend, lediglich hin- und herzuschlendern, so wie man es tut, wenn man auf Bus oder Zug wartet, denn dann ist langsam gehen offiziell erlaubt.  Parallel dazu konzentriere ich mich auch innerlich auf ein Gefühl der Ruhe und des Friedens und stelle mir manchmal auch so schöne Dinge vor, wie oben im Gedicht.

So auch heute, mitten im Herzen von Zürich, in all dem Weihnachtsrummel. Ich hatte durchaus die Absicht, noch zu diesem oder jenem Laden zu gelangen, aber nicht mit diesem wahnsinnigen Taumel. Es erfordert eine gewisse Konzentration, denn der Sog des „Stadt-Molochs“ ist mächtig. Man mag sich die ersten paar Minuten noch deppert vorkommen und muss sich fast ein wenig zwingen, nicht unmerklich schneller zu gehen. Doch dann beginnt man sich zu entspannen. Heute kam ich an einen Punkt, wo ich dennoch plötzlich das Gefühl hatte, „besser vorwärtszukommen“ als mit dem gewohnten Tempo, obwohl es dabei nicht um ein besseres oder schlechteres Vorwärtskommen ging!

Wie wohl das getan hat… Es öffnet Herz und Augen für’s Wesentliche! Es ist letztlich KEINE Frage von langsam oder schnell!!! Lediglich von: ’sich nicht unbewusst von dieser Angst mitreissen lassen‘.

 

WHAT IS THE RUSH

If that
would be a
lush green meadow,
under my bare feet,
a blue, clear sky,
above,
a waterfall,
crystal clear, cold,
rushing,
bees, summing,
twittering of birds,
flowers, colorful,
swaying in the
gentle breeze,
mountains, as far
the eye can see,
high, above,
snow covered,
air,
peace,
breathing,
in and out,
in and out,
and going
nowhere,

for what
then
the haste,
busyness,
rush,
so act, as
would be
something
of the highest,
of essential
urgency,
so act, as
one should go
somewhere,
breaking
the way trough,
for
even still
a last,
tiny,
no longer
comprehensible rest
of importance
preserving into the head,
at least
be wanted,
where no one is waiting,
if not
seen and loved.

Barbara-Paraprem

 

Everyone knows this: you go to a (large) city and you will be automatically carried away by this aggression and hustle. It is considered as normal, not only just to go fast, but, at all costs, breaking the way trough. Either with brute, physical violence, or in any case every few steps mental resistance: ‘Let me through! Out of the way! I want to …! I have to…! ‘ Etc.

I like to do sometimes the conscious exercise not to let it infect me. For that I go so slowly, that the people look at me, as if I would come from another planet: ‘What’s wrong with her? Has she nothing to do? Is she on drugs? Is she insane? ‘ Not only giving the impression, to stroll back and forth, how one is doing, if he is waiting for a bus or train, because then walking slowly is officially allowed. Parallel to that I concentrate also inwardly on a feeling of calm and peace, and sometimes I imagine such beautiful things, like in the poem above.

So today too, in the heart of Zurich, in all the Christmas rush. I had definitly the intention, to visit the one or other shop, but not with this crazy frenzy. It requires some concentration, because the pull of the “City Moloch” is powerful. One may feel stupid the first few minutes and has almost forcing a little, to not go unnoticed faster. But then you start to relax. Today I came to a point where I nevertheless felt suddenly to “get ahead better” as with the usual tempo, although it‘s not about better or worse getting ahead.

What a pleasure this was… It opens the heart and eyes for the essence! Ultimately, it is NO question of slow or fast !!! Only from ‘not let oneself unconsciously carried away by this fear‘.

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