Yoga – Die erste Stunde

Yoga 1 © Barbara-Paraprem, 2015

 

Heute war ich bei meiner allerersten Yoga-Stunde – je in meinem Leben. Ich trug schon viele Jahre den Gedanken mit mir rum, dies einmal auszuprobieren. Vor etwa 2 Wochen lernte ich überraschend eine Yoga-Lehrerin kennen. Ich sass im Restaurant und malte auf meinem iPad. Sie kam später herein und setzte sich an den Nebentisch. Hätte sie mich nicht beim malen beobachtet, wär ich vielleicht nie angesprochen worden. So sagte ich mir: Wieviel Einladung mehr soll mir Gott denn noch schicken, als wenn er mir eine Yoga-Lehrerin direkt an den Nebentisch setzt?!?

Heute gegen Abend machte ich mich also auf den Weg – nicht ohne Bedenken, welche Qualen da auf mich harren und wieweit ich überhaupt auch nur annähernd mithalten können würde. Zumal ich fast keinen Sport betreibe, total eingerostet bin und überdies recht beleibt. Allerdings hatten mich auch erst kürzlich die Fotos fasziniert, die ein Freund mir zeigte: von Damen, die weitaus mehr beleibt sind als ich und Yoga-Positionen darboten, die wahrlich schon Artistik sind.

Ich versuchte mitzuhalten – geschlagene 1 3/4 Stunden, mit einigen malen des revoltierenden Streikens für 1-2 Minuten und hochkommenden Tränen, da das Maulen der Bänder zu einem ohrenbetäubendem Trauerchor anschwoll („Asana Lamentari„). Ein ZazenKai, d.h. ein Tag lang Zazen (Sitzmeditation), mit mehreren halbstündigen Sitzrunden, ist schon fast ein Zuckerschlecken dagegen. Bei einer Position hatt’se sogar nachgedrückt. Sicherlich nur aus reinem Erbarmen.

Die Gruppe heute war klein: Nur die Lehrerin, eine andere Teilnehmerin und ich. Die Anleitungen waren super: ruhig, Schritt für Schritt, und ganz individuell mit Auge auf jeden. Auch die Räumlichkeiten: Wohltuendes Design für den Spiri mit gehobenem Geschmacke. Trotzdem: teilweise recht schmerzhaft. Ich bin z.B. kaum fähig, kniend zu sitzen, bzw. höchstens 2-3 Sekunden und nur mit grössten Schmerzen. Da halfen dann die ollen Yoga-Blöcke auch nix mehr. Keinerlei Schmerzen habe ich jedoch ganz sicher nicht erwartet, das war mir von vornherein klar. Beim Krieger („Virabhadrasana„) kam ich dermassen ins Wackeln, dass ich fast umgekippt wäre. Der Wechsel von „Utthita Ashwa Sanchalanasana“ (Hoher Ausfallsschritt) zu „Padahastasana“ (Stehende Vorwärtsbeuge) glich dem verzeifelten Bemühen, eine lahme Gliedmasse irgendwie nach vorne zu schleifen.

Es erstaunt mich nicht wirklich, wie eingerostet ich bin, dennoch irgendwie erschreckend. Gesund ist das sicher nicht. Ich möchte die Geschmeidigkeit einer Gazelle, die Erhabenheit eines Adlers und die Würde eines Tigers wiedererlangen. Oder zumindest: die Eleganz eines Meerschweinchens, die Mäjestät eines Spatzes und die Grazie eines in die Jahre gekommenen Katers. Das würd mir schon genügen. Die Nackenschmerzen, die mich seit einiger Zeit plagen und die ich vorher vielleicht einmal pro Jahr hatte, waren danach auf wunderbare Weise „weggestrecht“ – auch wenn sie später doch wieder „hereinzuschauen“ pflegten.

Die Lehrerin meinte am Schluss, „dass gleich noch die Fortgeschrittenen kämen…“ Ich erwiderte lachend, dass ich gar nicht wissen wollen würde, was die machen müssten, dürften. Und: „Bis nächste Woche“. Sie erwartet mich also wieder, in der Folterkammer mit Lotusblumen an der Wand. Die Asana (Yogaposition) „Ardha Kalina Vastrapeshi“ (Halber Teppich mit Fransen, siehe Bild oben) beherrsche ich jedenfalls schon perfekt.

Barbara-Paraprem

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