Im Männer-Himmel


Trophäen der Waffenmesse © Barbara-Paraprem, 2016

 

Heute war ich an einer grossen Waffenmesse. Es hatte zwei Stockwerke mit alten und neuen Waffen aller Art und allem möglichem Zubehör: Knarren, Amoklaufgewehren, Messern (- von winzig klein und kaum grösser als zwei Daumennagel bis Michael-Myers-mässig), Sammlerstücke, Abzeichen, Literatur (- auch echte Nazi-Literatur), Pfeilbogen, Helme, Munition, Uniformen, Kampfsportuntensilien (exotischen und weniger exotischen), Kampffliegerzeugs, Reh-Lockmitteln, Gleitmitteln (- nur für Knarren! Wo denken Sie auch hin…), Gehörschütze, „Täschchen“ für den echten Mann, Gehörne, Felle, und sogar einen Stand, wo Reh und Schwein schon fertig im Einmachgläschen auf den Gourmet warteten. In einer Ecke des Untergeschosses eine Erfrischugsmöglichkeit, die auf Jäger-Beiz gestylt war bzw. Hirsch, Bär, Büffel und andere Tiere an der Wand prangten und auf die wahren Männer heruntersahen, die an diesem schönen Sonntag zwischen Munition und Rehlockmitteln im 7.ten Himmel schwelgten und sich im Rudel zu einem Bier zusammenfanden („Bockrudel“).

Es hatte doch mehr Weibchen als erwartet, von denen allerdings – so vermute ich – der Grossteil eher der männlichen Population zuliebe da war, auch wenn es zunehmend mehr Frauen beim Schiesssport und in der Jagd gibt, was ich durchaus befürworte.

Trotzdem kam ich mir irgendwie als Fremdkörper vor, auch wenn ich schon einige male an den Schiesssport herangeführt wurde und selbst eine Knarre in der Hand halten und abfeuern durfte. Ich versuchte das dadurch zu kaschieren, dass ich beim betrachten aller möglicher Waffen an einem Stand einen fachmännischen Blick vortäuschte.

Die erste Schlappe erlitt ich allerdings, als ich eine Dame hinter einem Verkaufsstand wegen einer Auslage von Messern fragte: „Entschuldigung, eine blöde Frage: Sind die alle gebraucht?“ Es hatte zig Stände mit alten und neuen Waffen und ich konnte bei diesen nicht mit Sicherheit sagen, ob die nun schon einmal etwas geöffnet haben, was auch immer das war, oder nicht. Milde lächelnd und mit eben jenem Blick, den ich vermeiden wollte, antwortete sie, dass die alle neu wären. Ups.

Die zweite Schlappe: Als ich ein Messer genauer betrachtete und zur Hand nahm und öffnen wollte. Ja doch! Ich weiss die haben so eine Delle wo man drauf drückt. Das die aber zum einklappen ist, wusste ich nicht: Da hab ich draufgedrückt, darauf achtend, dass nicht womöglich noch die Klinge auf unerwartete Weise mir ins Fleisch schnellt. Der Verkäufer half dann der „grauhaarigen Hausfrau“.

Die dritte Schlappe, als ein Verkäufer, den ich eindeutig als Potenzbulle „ansprechen“ (identifizieren) konnte, mich anschnauzte, weil ich ein Foto von einigen Waffen machen wollte, nicht von Besuchern oder Ausstellern: „Normalerweise frägt man, bevor man ein Foto macht, und ausserdem sei das hier verboten…!!!“ Ich entschuldigte mich kleinlaut und habe schnell sein Revier verlassen.

Die vierte Schlappe, als ich ein Rehhorn kaufte. Der Verkäufer meinte, das sei Kalk. Ich war einen Moment lang verunsichert, und fragte mich, ob das etwa nur Imitate sind. „Aber die sind schon echt?“ „Jaja, die sind echt!“ antwortete der Herr lachend. Ich habe zwar hart mitgelernt, die letzten Wochen, indem ich einen Freund für seine noch ausstehende Jägerprüfung abfragte, und beinahe hätte ich noch von „Drittem Prämolar“, „Krellschuss“, „Den Schöpfer im Geschöpfe ehren“ und „Pirschjagd“ geträumt, aber woher soll ich denn wissen, ob das letzlich nicht doch nur Imitate sind? Er meinte, dass ich die wohl zum Schmuck herstellen bräuchte. Ich schüttelte nur den Kopf. Genau diesem Klischee wollte ich eben nicht entsprechen: Frauen und Waffenmesse? Doch höchstens nur für Schmuckuntensilien, Pelze und allenfalls ein Mitbringsel für den Herrn des Hauses. Nein, ich will kein Schmuck draus machen, aber vielleicht nutze ich ihn als Zeigestab fürs Go-Spiel…

Verschiedene Messer fielen mir angenehm auf, aber bei einem traf mich der „Liebesblitz“ relativ schnell. Ich fragte den Verkäufer, ob er mir einen Spezialpreis machen würde, wenn ich gleich zwei davon nähme – was absolut nicht meine Art ist, weil ich eigentlich viel zu gehemmt fürs feilschen bin, aber: Ich habe sie runtergehandelt, hahaha, die zwei wunderschönen Messer mit Holzgriff spanischen Fabrikats. Eines für mich, und eines als Geschenk für jemanden. Dafür war ich ja auch eigentlich gekommen. Rehfieper suchte ich leider vergebens. Wussten Sie übrigens, dass elektronische Rehlockmittel verboten sind? Was ein echter „Lusttöter“ sein will muss den Hirsch noch selber machen!

Ich habe verschiedene gute Freunde, die Messer lieben, und ich hatte auch schon früher so ein Ding in der Hand und irgendwie dachte ich immer, dass ein richtig stabiles Messer doch mal eine schöne Sache wäre – nicht nur ein olles Sackmesserchen aus dem Supermarkt. Jetzt hab ich eines. Ich weiss nicht wie und wo ich es gebrauche, ob zum schnitzen oder aufbrechen eines Rehs, wenn ich als Laie mal mit zur Jagd darf – oder einfach nur abends aufs Kopfkissen legen und verliebt anschauen und mit zärtlichen Fingern über den edlen, leicht geschwungenen Holz-Griff fahren… :))))

Write a comment

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s