ENGEL-GEDICHTE + SPRÜCHE

Alighieri, Dante
Aquin, Thomas von
Arnim, Ludwig Joachim von
Augustinus
Baker Eddy, Mary
Blake, William
Brentano, Clemens
Buber, Martin
Buddha
Bukowski, Charles
Carlyle, Thomas
Chagall, Marc
Chambers, Oswald
Chekhov, Anton
Claudius, Matthias
Damascenus, Johannes
Daskalos
Dauthendey, Max
Dehmel, Richard Fedor Leopold
Don Bosco, Giovanni Melchiorre
Eichendorff, Joseph von
Emerson, Ralph Waldo
Epiktet
Franz, Ignaz
Geibel, Emanuel
George, Stefan
Gerhardt, Paul
Gibran, Khalil
Goethe, Johann Wolfgang von
Gotthelf, Jeremias
Göttinger Musenalmanach
Heine, Heinrich
Henrici, Christian Friedrich
Herman, Nikolaus
Hesse, Hermann
Hl. Franziskus von Assisi
Hl. Gertrud von Helfta
Hl. Hildegard von Bingen
Hl. Teresa von Avila
Hl. Thérèse von Lisieux
Horowitz, Vladimir
Hölderlin, Friedrich
Hölty, Ludwig
Jüdische Sabbathymne
Kempen, Thomas von
Kinderlied aus Italien
Kyber, Manfred
Lamartine, Alphonse de
Layana Engel
Lessing, Gotthold Ephraim
Luther, Martin
Maurus, Hrabanus
May, Karl
Meister Eckhart
Meyer, Conrad Ferdinand
Morgenstern, Christian
Mörike, Eduard
Nietzsche, Friedrich
Otto, Luise
Paracelsus
Paul, Jean
Pius XI
Platon
Poe, Edgar Allan
Rilke, Rainer Maria
Rudolphi, Caroline
Rückert, Friedrich
Sales, Franz von
Scheerbart, Paul
Schiller, Friedrich von
Schutzengelgebete
Shakespeare, William
Silesius, Angelus
Simmes, Cordula
Slawisches Henochbuch
Spee, Friedrich
Sprichwort aus Deutschland
Sprichwort aus Israel
Sprichwort aus Schottland
Sprichwort aus dem Judentum
Stahlbaum, Christian Ludewig
Talleyrand-Périgord, Charles-Maurice de
Thomasevangelium
Trakl, Georg
Tschaikowski, Peter
Voltaire
Ward, Theodora
Wette, Adelheid
Ägyptisches Totenbuch

Das Antlitz aller glich lebend’ger Flamme,
Die Flügel waren Gold, so weiß das andre,
Daß solche Weiße nimmer Schnee erreicht.
Wenn in die Blumen sie sich senkten, teilten
Von Sitz zu Sitz sie Frieden aus und Inbrunst
Die, ihre Flanken fächelnd, sie erworben.

Dante Alighieri
Aus: Die Göttliche Komödie, Das Paradies, 31. Gesang

Engel sind die Verkünder der göttlichen Stille.

Thomas von Aquin (1225-1274, Dominikaner, Philosoph, Theologe)

Es schwebt ein Glanz hoch überm Gold der Ähren,
Sie tauchen nickend in den Segen ein,
Ein Engel weint die hellen Freudenzähren,
Am Himmel zieht ein einzger Stern allein,
Die Hirten schlafen noch und lächeln drein,
Sie ahnden schon, wie nah der Herr mag sein.

Dem Engel geht ein Lamm so still zur Seite,
Das trägt ein Kreuz und blickt zu allen mild,
Die Schäflein sehen auf, was das bedeute,
Sie freuen sich am höhern Ebenbild:
Ihr Hirten wachet auf, verkündet laut,
Ihr habt den Herrn im fernen Glanz geschaut.

Es naht der Herr in dieses Tages Frühe,
Im Erntesegen nahet uns der Herr,
Er lohnet uns Vertrauen, Liebe, Mühe,
Er gibt sich selbst für uns, so lohnet er,
Es ziehn die Könige zum Erntefest,
Wie kann die Hütte fassen solche Gäst.

Die arme Hütte kann sie alle fassen,
Es macht der Glanz sie alle froh und satt,
Und seinen Thron mag jeder gern verlassen,
Der hier noch einen Platz zum Knieen hat,
Es ist ein Kind geboren in dem Glanz,
Ihm bringen sie den reichen Erntekranz.

Aus Ähren und aus Trauben ist gebunden
Der Kranz, den sie dem Kinde bieten dar,
Sie haben es beim Strahl des Sterns gefunden,
Der noch am Tageshimmel leuchtet klar,
Einst segnet dieses Kind das Brot, den Wein,
Gott wird euch nah im irdschen Zeichen sein.

Hat euch der Herr im Reichtum sich verkündet,
In seiner Ernten schöner Mannigfalt,
Verkündet ihn der Welt, der euch entsündet,
In dem Geschenk übt göttliche Gewalt:
Gedenkt des Herrn beim Brot, beim Becher Wein,
So kehrt der Herr im Geiste bei euch ein.

Ludwig Joachim von Arnim (Schriftsteller), 1818
Aus: Die Kronenwächter, Erster Band, Drittes Buch, 5. Geschichte (Traubenlese)

Oh Mensch, lerne tanzen, sonst wissen die Engel im Himmel mit dir nichts anzufangen.

Augustinus (354-430, Kirchenlehrer, Philosoph)

Engel sind reine Gedanken Gottes,
beflügelt von Wahrheit und Liebe.

Mary Baker Eddy (1821-1910, Schriftstellerin, Entwicklung der Christian-Science-Lehre)

Du schönlockiger Engel des Abends,
Da nun die Sonne rührt ans Gebirg,
entzünd uns die lichte Fackel der Liebe.
Setz dir die Strahlenkrone aufs Haupt
und lächle herab auf unser abendlich Lager!

William Blake (1757-1827, Dichter, Naturmystiker, Maler, Erfinder der Reliefradierung)

An den Engel in der Wüste

Gern hätte ich Tränen getrunken,
die Augen weinten nur Funken;
ich wühlt‘ noch ein Grab in den Sand.
Ich bin in Verzweiflung gesunken,
ach, weil ich kein Wasser fand.

Da hört‘ ich ein Flügelpaar klingen,
da hört‘ ich ein Schwanenlied singen,
da fühlt ich ein kühlendes Wehn,
da sah ich mit tauschweren Schwingen
den Engel der Wüste gehn.

Da kniete ich still vor ihm nieder,
da legt‘ er sein tauig Gefieder
mir kühl um das glühende Haupt
und sang mit die Pilgerlieder:
Da hab ich geliebt und geglaubt.

Clemens Brentano (1778-1842, Schriftsteller)

Engel erkennt man immer erst, wenn sie vorübergegangen sind.

Martin Buber (Österreichisch-israelischer jüdischer Religionsphilosoph, 1878-1965)

„It is better to conquer yourself than to win a thousand battles.
Then the victory is yours.
It cannot be taken from you, not by angels or by demons, heaven or hell.“

„Es ist besser Dich selbst zu erobern als tausend Schlachten zu gewinnen.
Dann ist der Sieg Dein.
Er kann Dir nicht genommen werden,
weder von Engeln noch von Dämonen, weder vom Himmel noch von der Hölle.“

Buddha (um 500 v.Chr.)

Ohne den Beistand des Teufels hätten längst Engel meine Seele geraubt.

Charles Bukowski (1920-1994, US-amerikanischer Dichter und Schriftsteller deutscher Abstammung)

Die Musik wird treffend als Sprache der Engel beschrieben.

Thomas Carlyle (1795-1881, Engl.Schrifsteller und Historiker)

Marc Chagalls Werke sind weltbekannt. Engel waren dabei ein oft wiederkehrendes Motiv. Chagall selbst hatte 1905 in St. Petersburg – er war so arm, dass er noch nicht einmal ein eigenes Bett hatte – eine Engelvision:

‘Plötzlich öffnet sich die Zimmerdecke und ein geflügeltes Wesen schwebt hernieder mit Glanz und Gepränge und erfüllt das Zimmer mit wogendem Dunst. Es rauschen die schleifenden Flügel. Ein Engel! denke ich. Ich kann die Augen nicht öffnen, es ist zu hell, zu gleißend. Nachdem er alles durchschweift hat, steigt er empor und entschwindet durch den Spalt in der Decke, nimmt alles Licht und Himmelsblau mit sich fort.’ Diese Vision, die in seinen Bildern öfter wiederkehrt, blieb für Chagall bedeutungsvoll.

Marc Chagall (* 25. Juni (jul.Kalender)/ 7. Juli 1887 (greg.Kalender) in Ljosna bei Witebsk, Russisches Reich (heute Weißrussland) ; † 28. März 1985 in Saint-Paul-de-Vence, Frankreich, Französischer Maler weißrussischer und orthodox-jüdischer Herkunft. Sein bürgerlicher Name war Moishe Zakharovich Shagalov.)

Wenn Jesus den Schleier vor unseren Augen wegnähme:
Wir würden Engel sehen, die uns versorgen
und dass der Heilige Geist in uns und der Vater um uns ist!

Oswald Chambers (1874-1917, Babtistenprediger)

„We shall find peace. We shall hear the angels, we shall see the sky sparkling with diamonds.“

„Wir werden Frieden finden. Wir werden die Engel hören, wir werden den Himmel mit Diamanten funkeln sehen.“

Anton Chekhov (1860-1904, Russischer Schriftsteller)
Aus: „Uncle Vanya“, Act IV, 1899, Moskau

Die Liebe

Die Liebe hemmet nichts;
Sie kennt nicht Tür noch Riegel,
Und dringt durch alles sich;
Sie ist ohn Anbeginn,
Schlug ewig ihre Flügel,
Und schlägt sie ewiglich.

Matthias Claudius (1740-1815, Deutscher Dichter, Lyriker, Journalist)

Ich habe Dich geliebet und ich will Dich lieben,
Solang’ Du goldner Engel bist;
In diesem wüsten Lande hier, und drüben
Im Lande wo es besser ist.

Matthias Claudius (1740-1815, Deutscher Dichter, Lyriker, Journalist)
An Frau Rebekka, bei der silbernen Hochzeit, den 15. März 1797

Sie erscheinen nicht so, wie sie sind, sondern so, wie die Sehenden sie wahrnehmen können.

Johannes Damascenus (Griechischer Theologe, um 670 – vor 754)

“The Traveler of Dreams” von „Daskalos“ (Dr. Stylianos Atteshlis, 1912-1995, Mystiker und Heiler)

Graue Engel gehen um mich,
Sehen trauernd auf dich, meine Seele,
Sie stehen mit lahmen Flügeln
An Aschenhügeln und sinnen;
Draußen und drinnen ist es Abend, meine Seele.

Max Dauthendey (1867–1918, Deutscher Dichter, Maler),
Aus: Reliquien (Gedichte)

Ein Engel

Ich kann ein Engel werden,
wenn ich gestorben bin.
Dann jagt wohl mit Wolkenpferden,
die wir nicht sehn auf Erden,
meine Kraft durchs Luftmeer hin.

Meine Flügel sind wohl die Stürme,
der Blitzstrahl wohl mein Pfad.
Ich weiß es nicht, ich leuchte nur;
mich treibt ein Geist zur Tat,
der braucht wohl meine Kraft.

Ich leuchte in tausend Gestalten,
vielleicht wo die Sonne loht,
vielleicht wo Sterne erkalten,
die bleich noch Nachtwache halten,
vielleicht im Morgenrot.

Da darf ich überall wirken,
und bin doch vor dem Geist,
der mich und all die andern Engel
zu Seinem Werk hinreißt,
nur ein kleiner Held.

Richard Fedor Leopold Dehmel (1863-1920, Deutscher Dichter, Schriftsteller)

Der Wunsch unseres Schutzengels, uns zu helfen, ist weit größer als der, den wir haben, uns von ihm helfen zu lassen.

Giovanni Melchiorre „Don“ Bosco (1815-1888, Ital.Priester und Ordensgründer)

Lass die Engel bei uns wachen,
dass wir wie die Kinder lachen,
dass wir wie die Kinder weinen,
lass uns alles sein,
nichts scheinen.

Joseph von Eichendorff (1788-1857, Deutscher Lyriker, Schriftsteller)

Glückwunsch

Brech der lustige Sonnenschein
Mit der Tür euch ins Haus hinein,
Daß alle Stuben so frühlingshelle;
Ein Engel auf des Hauses Schwelle
Mit seinem Glanze säume
Hof, Garten, Feld und Bäume,
Und geht die Sonne abends aus,
Führ er die Müden mild nach Haus!

Joseph von Eichendorff (1788-1857, Deutscher Lyriker, Schriftsteller)
Aus: Gedichte, 4. Frühling und Liebe

Mondnacht

Es war, als hätt der Himmel
Die Erde still geküßt,
Daß sie im Blütenschimmer
Von ihm nun träumen müßt.

Die Luft ging durch die Felder,
Die Ähren wogten sacht,
Es rauschten leis die Wälder,
So sternklar war die Nacht.

Und meine Seele spannte
Weit ihre Flügel aus,
Flog durch die stillen Lande,
Als flöge sie nach Haus.

Joseph von Eichendorff (1788-1857, Deutscher Lyriker, Schriftsteller)
Aus: Gedichte, 6. Geistliche Gedichte

URIEL

It fell in the ancient periods
Which the brooding soul surveys,
Or ever the wild Time coined itself
Into calendar months and days.

This was the lapse of Uriel,
Which in Paradise befell.
Once, among the Pleiads walking,
Seyd overheard the young gods talking;
And the treason, too long pent,
To his ears was evident.
The young deities discussed
Laws of form, and metre just,
Orb, quintessence, and sunbeams,
What subsisteth, and what seems.
One, with low tones that decide,
And doubt and reverend use defied,
With a look that solved the sphere,
And stirred the devils everywhere,
Gave his sentiment divine
Against the being of a line.
‚Line in nature is not found;
Unit and universe are round;
In vain produced, all rays return;
Evil will bless, and ice will burn.‘
As Uriel spoke with piercing eye,
A shudder ran around the sky;
The stern old war-gods shook their heads,
The seraphs frowned from myrtle-beds;
Seemed to the holy festival
The rash word boded ill to all;
The balance-beam of Fate was bent;
The bounds of good and ill were rent;
Strong Hades could not keep his own,
But all slid to confusion.

A sad self-knowledge, withering, fell
On the beauty of Uriel;
In heaven once eminent, the god
Withdrew, that hour, into his cloud;
Whether doomed to long gyration
In the sea of generation,
Or by knowledge grown too bright
To hit the nerve of feebler sight.
Straightway, a forgetting wind
Stole over the celestial kind,
And their lips the secret kept,
If in ashes the fire-seed slept.
But now and then, truth-speaking things
Shamed the angels‘ veiling wings;
And, shrilling from the solar course,
Or from fruit of chemic force,
Procession of a soul in matter,
Or the speeding change of water,
Or out of the good of evil born,
Came Uriel’s voice of cherub scorn,
And a blush tinged the upper sky,
And the gods shook, they knew not why.

Ralph Waldo Emerson, 1846 (1803-1882, Amerikanischer Philosoph, Unitarier, Schriftsteller)

Wenn alle Türen geschlossen
und die Fenster verdunkelt sind,
darfst Du nicht glauben, allein zu sein.
Denn Gott ist bei Dir und Dein Schutzengel.
Und weshalb sollten sie Licht brauchen,
um zu sehen, was Du tust?

Epiktet (* um 50 – † um 125, Griechischer Philosoph)

Er schläft nicht, man täuscht ihn nicht,
den edlen Schützer eines jeden von uns.
Schliesse deine Tür und mache dunkel,
aber erinnere dich,
dass du niemals allein bist.

Epiktet (* um 50 – † um 125, Griechischer Philosoph)

Grosser Gott, wir loben dich

Großer Gott, wir loben dich,
Herr, wir preisen deine Stärke,
Vor dir beugt die Erde sich
Und bewundert deine Werke.
Wie du warst vor aller Zeit,
So bleibst du in Ewigkeit.Alles, was dich preisen kann,
Cherubim und Seraphinen,
Stimmen dir ein Loblied an;
Alle Engel, die dir dienen,
Rufen dir in sel’ger Ruh‘:
Heilig, heilig, heilig! zu.

Heilig, Herr Gott Zabaoth!
Heilig, Herr der Kriegesheere!
Starker Helfer in der Not,
Himmel, Erde, Luft und Meere
Sind erfüllt von deinem Ruhm
Alles ist dein Eigentum.

Ignaz Franz (1719-1790, Priester, Theologe, Kirchenliederdichter)
Nach dem Te Deum laudamus

Aus: Minnelied

Du suchst umsonst auf irrem Pfade
die Liebe dir im Drang der Welt.
Ein Wunder ist die Liebe, Gnade,
die wie der Tau vom Himmel fällt.
Sie kommt wie Nelkenduft im Winde,
sie kommt, wie durch die Nacht
gelinde
aus Wolken fließt des Mondes Schein.
Da gilt kein Ringen, kein Verlangen.
In Demut magst du sie empfangen,
als kehrt’ ein Engel bei dir ein.

Emanuel Geibel (1815-1884, Deutscher Lyriker)

Die beiden Engel

O kennst du, Herz, die beiden Schwesterengel,
Herabgestiegen aus dem Himmelreich:
Stillsegnend Freundschaft mit dem Lilienstengel,
Entzündend Liebe mit dem Rosenzweig?

Schwarzlockig ist die Liebe, feurig glühend,
Schön wie der Lenz, der hastig sprossen will;
Die Freundschaft blond, in sanftern Farben blühend,
Und wie die Sommernacht so mild und still;

Die Lieb‘; ein brausend Meer, wo im Gewimmel
Vieltausendfältig Wog‘ an Woge schlägt;
Freundschaft ein tiefer Bergsee, der den Himmel
Klar widerspiegelnd in den Fluten trägt.

Die Liebe bricht herein wie Wetterblitzen,
Die Freundschaft kommt wie dämmernd Mondenlicht;
Die Liebe will erwerben und besitzen,
Die Freundschaft opfert, doch sie fordert nicht.

Doch dreimal selig, dreimal hoch zu preisen
Das Herz, wo beide freundlich eingekehrt,
Und wo die Glut der Rose nicht dem leisen,
Geheimnisvollen Blühn der Lilie wehrt.

Emanuel Geibel (1815-1884, Deutscher Lyriker)

Aus: Der Teppich des Lebens

Ich forschte bleichen eifers nach dem horte
Nach strofen drinnen tiefste kümmerniss
Und dinge rollten dumpf und ungewiss –
Da trat ein nackter engel durch die pforte:

Entgegen trug er dem versenkten sinn
Der reichsten blumen last und nicht geringer
Als mandelblüten waren seine finger
Und rosen rosen waren um sein kinn.

Auf seinem haupte keine krone ragte
Und seine stimme fast der meinen glich:
Das schöne leben sendet mich an dich
Als boten: während er dies lächelnd sagte

Entfielen ihm die lilien und mimosen –
Und als ich sie zu heben mich gebückt
Da kniet auch ER • ich badete beglückt
Mein ganzes antlitz in den frischen rosen.

Stefan George (1868-1933, Deutscher Lyriker)

Wo kein Mensch mehr nahe ist, ist doch der Schutzengel

Wenn gar kein einz’ger mehr auf Erden,
dessen Treue du darfst trauen,
als dann will er dein Treuster werden
und zu deinem Besten schauen.
Er weiss dein Leid und heimlich Grämen,
auch weiss er Zeit, dir’s abzunehmen.
Gib dich zufrieden!

Paul Gerhardt (1607-1676, Evangelisch-lutherischer Theologe, Kirchenlieddichter)

Bleibt, ihr Engel, bleibt bei mir!
(BWV 19,5)

Bleibt, ihr Engel, bleibt bei mir!
Führet mich auf beiden Seiten,
Dass mein Fuß nicht möge gleiten!
Aber lernt mich auch allhier
Euer großes Heilig singen
Und dem Höchsten Dank zu singen!

Christian Friedrich Henrici („Picander“) (1700-1764, Textdichter von Johann Sebastian Bach)

Der erste Gedanke Gottes war ein Engel.
Das erste Wort Gottes war ein Mensch.

Khalil Gibran (1883-1931, Libanesisch-Amerikanischer Maler, Philosoph, Dichter)

Möglicherweise
ist ein Begräbnis
unter Menschen
ein Hochzeitsfest
unter Engeln.

Khalil Gibran (1883-1931, Libanesisch-Amerikanischer Maler, Philosoph, Dichter)

Und derjenige, der die Engel und Teufel nicht gesehen hat
in den Wundern und Widerwärtigkeiten des Lebens,
dessen Herz bleibt ohne Erkenntnis
und dessen Seele ohne Verständnis.

Khalil Gibran (1883-1931, Libanesisch-Amerikanischer Maler, Philosoph, Dichter)

Heil den unbekannten
höheren Wesen,
die wir ahnen!
Ihnen gleiche der Mensch;
sein Beispiel lehr uns
jene glauben.

Der edle Mensch
sei hilfreich und gut!
Unermüdet schaff er
das Nützliche, Rechte,
sei uns ein Vorbild
jener geahneten Wesen!

Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832, Deutscher Dichter)

Du, selbst kein Engel, wohnst nicht unter Engeln.
Nachsicht erwirbt sich Nachsicht.

Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832, Deutscher Dichter)

Rosen, ihr blendenden,
Balsam versendenden!
Flatternde, schwebende,
Heimlich belebende,
Zweiglein beflügelte,
Knospen entsiegelte,
Eilet zu blühn.
Frühling entsprieße,
Purpur und Grün!
Tragt Paradiese
Dem Ruhenden hin.

Blüten, die seligen,
Flammen, die fröhlichen,
Liebe verbreiten sie,
Wonne bereiten sie,
Herz wie es mag.
Worte, die wahren,
Äther im Klaren,
Ewigen Scharen
Überall Tag!

Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832, Deutscher Dichter)
Chor der Engel (Rosen streuend) in Faust II, 5. Akt, Grablegung

Jene Rosen aus den Händen
Liebend-heiliger Büßerinnen
Halfen uns den Sieg gewinnen,
Uns das hohe Werk vollenden,
Diesen Seelenschatz erbeuten.
Böse wichen, als wir streuten,
Teufel flohen, als wir trafen.
Statt gewohnter Höllenstrafen
Fühlten Liebesqual die Geister;
Selbst der alte Satansmeister
War von spitzer Pein durchdrungen.
Jauchzet auf! es ist gelungen.

Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832, Deutscher Dichter)
Die Jüngeren Engel in Faust II, 5. Akt, Bergschluchten

Jedes Kind ist ein Engel,
der uns heiligen soll.

Jeremias Gotthelf (1797-1854, eigentlich Albert Bitzius, Schweizer Pfarrer und Erzähler)

Die Engel Gottes weinen, wo Liebende sich trennen.

Göttinger Musenalmanach
(Der Name zweier Literaturzeitschriften, die vom 18. bis ins 20. Jh. herausgegeben wurden)

Die Engel sehen sich alle ähnlich.

Heinrich Heine (1797-1856, Deutscher Dichter, Schriftsteller, Journalist)

Die Engel

Freilich, ein ungläubger Thomas,
Glaub ich an den Himmel nicht,
Den die Kirchenlehre Romas
Und Jerusalems verspricht.

Doch die Existenz der Engel,
Die bezweifelte ich nie;
Lichtgeschöpfe sonder Mängel,
Hier auf Erden wandeln sie.

Nur, gnäd’ge Frau, die Flügel
Sprech ich jenen Wesen ab;
Engel gibt es ohne Flügel,
Wie ich selbst gesehen hab.

Lieblich mit den weißen Händen,
Lieblich mit dem schönen Blick
Schützen sie den Menschen, wenden
Von ihm ab das Missgeschick.

Ihre Huld und ihre Gnaden
Trösten jeden, doch zumeist
Ihn, der doppelt qualbeladen,
Ihn, den man den Dichter heißt.

Heinrich Heine (1797-1856, Deutscher Dichter, Schriftsteller, Journalist)

Hinunter ist der Sonne Schein

Hinunter ist der Sonne Schein,
die finstre Nacht bricht stark herein;
leucht uns, Herr Christ, du wahres Licht,
lass uns im Finstern tappen nicht.

Dir sei Dank, dass du uns den Tag
vor Schaden, Gefahr und mancher Plag
durch deine Engel hast behüt
aus Gnad und väterlicher Güt.

Womit wir heut erzürnet dich,
dasselb verzeih uns gnädiglich
und rechn es unsrer Seel nicht zu;
lass schlafen uns mit Fried und Ruh.

Dein Engel uns zur Wach bestell,
dass uns der böse Feind nicht fäll.
Vor Schrecken, Angst und Feuersnot
behüte uns, o lieber Gott.

Nikolaus Herman (* um 1480 oder um 1500-1561, Deutscher Kantor, Lehrer und Erschaffer zahlreicher, evangelischer Kirchenlieder)

Ohne das Tier in uns sind wir kastrierte Engel.

Hermann Hesse (1877-1962, Deutsch-Schweizerischer Schriftsteller und Maler)

Der Herr segne und behüte dich.
Er lasse leuchten sein Angesicht über dir
und erbarme sich deiner.
Er wende seine Huld dir zu
und gebe dir den Frieden.
Es segne dich der Herr.

Hl. Franziskus von Assisi (1181/82-1226, Begründer des Ordens der Minderen Brüder (Franziskaner)

Gott, Du bist in den Himmeln,
Du bist in den Engeln und Heiligen

Du erleuchtest sie – und sie erkennen
denn Du Herr bist das Licht.

Du entflammst sie – und sie lieben
denn Du Herr bist die Liebe.

Du bewohnst und erfüllst sie – und sie sind selig
denn Du Herr bist das höchste Gut

Ewiges Gut,
aus Dir fließt jedes Gut,
ohne Dich gibt es kein Gut.

Hl. Franziskus von Assisi (1181/82-1226, Begründer des Ordens der Minderen Brüder (Franziskaner)

Heiliger Engel Gottes, von Gott mit meinem Schutz betraut,
ich sage dir Dank für alle Wohltaten,
die du mir an Leib und Seele jemals erwiesen hast.
Ich lobe und verherrliche dich, weil du mir Armem
so getreu beistehst
und mich gegen alle Anfälle der Feinde beschützest.

Gebenedeit sei jene Stunde, in der du mir zum Schutz gegeben
und zu meinem Verteidiger und Patron bestimmt wurdest.

Gebenedeit sei deine Liebe zu mir
und all deine Fürsorge, mit der du nicht aufhörst, mein Heil zu fördern.
Ich bitte dich, mir zu verzeihen,
dass ich so oft deinen Einsprechungen widerstrebt
und dadurch dich, meinen liebevollsten Freund, betrübt habe.
Ich nehme mir für die Zukunft fest vor,
dir zu gehorchen und meinem Gott treu zu dienen. Amen.

Hl. Gertrud (1256-1302)

‘Liber divinorum operum’ – 1. Schau

“Und ich schaute im Geheimnisse Gottes inmitten der südlichen Lüfte ein wunderschönes Bild. Es hatte die Gestalt eines Menschen. Sein Antlitz war von solcher Schönheit und Klarheit, daß ich leichter in die Sonne hätte blicken können als in dieses Gesicht. Ein weiter Reif aus Gold umgab ringsum sein Haupt. In diesem Reif erschien oberhalb des Hauptes ein zweites Gesicht, wie das eines älteren Mannes. Dessen Kinn und Bart rührten an den Scheitel des ersten Kopfes. Vom Hals der Gestalt ging beiderseits ein Flügel aus. Die Flügel erhoben sich über den erwähnten Reif und vereinigten sich oben. Am obersten Teil der Krümmung des rechten Flügels erschien der Kopf eines Adlers. Dessen Augen waren wie Feuer, und es erstrahlte in ihnen wie in einem Spiegel der Engel Glanz. Auf dem obersten Teil der Krümmung des linken Flügels war ein Menschenhaupt, das leuchtete wie der Sterne Funkeln. Beide Gesichter waren nach Osten gewandt. Von den Schultern dieser Gestalt ging ein Flügel bis zu den Knien. Sie war gewandet in ein Kleid, das der Sonne gleich erglänzte. In ihren Händen trug sie ein Lamm, das leuchtete wie ein lichtklarer Tag. Mit ihren Füßen zertrat die Gestalt ein Ungetüm von entsetzlichem Aussehen, giftig und schwarz, und eine Schlange. Diese hatte sich in das rechte Ohr des Ungetüms verbissen. Ihr Leib schlang sich quer um den Kopf des Ungetüms; ihr Schwanz reichte auf der linken Seite bis an die Füße.” (Bild zur Vision, gemalt von Hildegard)

Hl. Hildegard von Bingen (* um 1098; † 17. September 1179),
Benediktinerin und Mystikerin,
in ‘Liber divinorum operum’ – 1. Schau

Segensprüche zu den Hl. Engeln

Preis euch, heilige Engel,
Hüter der Völker,
deren Gebilde in eurem Antlitz sich spiegelt;
Erzengel,
die ihr die Seelen der Heiligen traget empor,
euch, Kräfte und Mächte und Fürstentümer, Herrschaften, Throne,
die zum Geheimnis der Fünfzahl ihr schließt den heiligen Ring;
und euch Serafim,
die Siegel ihr seid der Geheimnisse Gottes;
leuchtende Kerubim, flammende Serafim,
Lobpreis sei euch!

Hl. Hildegard von Bingen (1098-1179, Benediktinerin, Mystikerin)

Eine Vision der Heiligen Teresa von Avila

Er war nicht gross, eher klein, aber sehr schön.
Sein Antlitz war so entflammt,
dass er mir als einer der erhabensten Engel vorkam,
die ganz in Flammen zu stehen scheinen.
In den Händen des mir erschienenen Engels
sah ich einen langen goldenen Pfeil;
an der Spitze seines Eisens schien mir Feuer zu sein;
es kam mir vor, als durchbohrte er mit dem Pfeil
einige Male mein Herz bis ins Innerste,
und wenn er den Pfeil wieder herauszog, war mir,
als zöge er den innersten Teil meines Herzns mit heraus.
Als er mich dann verliess, war ich ganz entzündet
von feuriger Gottesliebe.

Hl. Teresa von Avila (1515-1582, Karmelitin, Mystikerin)

Erhabener Hüter meiner Seele, du, der leuchtet in dem schönen Himmel wie eine zarte und reine Flamme, nahe dem Thron des Ewigen, du kommst für mich auf diese Erde und erleuchtest mich mit deinem Schein. Schöner Engel, du bist mein Bruder geworden, mein Freund, mein Tröster.

Wissend meine große Schwäche, führst du mich an der Hand. Und ich sehe dich, voll Zärtlichkeit räumen den Stein vom Wege. Immer lädt mich deine liebe Stimme ein, nur die Himmel zu schauen; je mehr du mich niedrig und klein siehst, um so strahlender ist dein Angesicht.

O du, der durcheilt den Raum, schneller als die Blitze, fliege recht oft an meiner Stelle hin zu denen, die mir teuer sind! Mit deinem Flügel trockne ihre Tränen! Singe, wie gut Jesus ist! Singe, wie Leiden hat Freuden! Und ganz heimlich flüstere meinen Namen.

Ich will, in meinem kurzen Leben, retten meine Brüder, die Sünder. O schöner Bote des Vaterlandes, gib mir deine heiligen Gluten! Ich habe nichts als meine Opfergaben und meine schmucklose Armut. Vereint mit deinen reinen Wonnen bringe sie dem Dreieinigen Gott!

Hl. Thérèse von Lisieux (1873-1897, Karmelitin)

Wenn ich spiele, bin ich Engel und Teufel zugleich.

Vladimir Horowitz (1903-1989, Pianist)

Abendsegen

Abends, will ich schlafen gehn,
vierzehn Engel um mich stehn:

zwei zu meinen Häupten,
zwei zu meinen Füßen,
zwei zu meiner Rechten,
zwei zu meiner Linken,
zweie, die mich decken,
zweie, die mich wecken,
zweie, die mich weisen
zu Himmels Paradeisen!

Adelheid Wette (1858-1916, Schriftstellerin, Librettistin und Schwester des Komponisten Engelbert Humperdinck)

Aus der Oper: Hänsel und Gretel, 2.Akt, 2.Szene von Engelbert Humperdinck (1854-1921, Deutscher Komponist)

Lied der Liebe (2.te Fassung)

Engelfreuden ahndend, wallen
Wir hinaus auf Gottes Flur,
Daß von Jubel widerhallen
Höhn und Tiefen der Natur.
Heute soll kein Auge trübe,
Sorge nicht hienieden sein,
Jedes Wesen soll der Liebe
Frei und froh, wie wir, sich weihn!

Singt den Jubel, Schwestern, Brüder,
Fest geschlungen, Hand in Hand!
Hand in Hand das Lied der Lieder,
Selig an der Liebe Band!
Steigt hinauf am Rebenhügel,
Blickt hinab ins Schattental!
Überall der Liebe Flügel,
Hold und herrlich überall!

Liebe lehrt das Lüftchen kosen
Mit den Blumen auf der Au,
Lockt zu jungen Frühlingsrosen
Aus der Wolke Morgentau,
Liebe ziehet Well an Welle
Freundlich murmelnd näher hin,
Leitet aus der Kluft die Quelle
Sanft hinab ins Wiesengrün.

Berge knüpft mit ehrner Kette
Liebe an das Firmament,
Donner ruft sie an die Stätte,
Wo der Sand die Pflanze brennt.
Um die hehre Sonne leitet
Sie die treuen Sterne her,
Folgsam ihrem Winke gleitet
Jeder Strom ins weite Meer.

Liebe wallt durch Ozeane,
Durch der dürren Wüste Sand,
Blutet an der Schlachtenfahne,
Steigt hinab ins Totenland!
Liebe trümmert Felsen nieder,
Zaubert Paradiese hin,
Schaffet Erd und Himmel wieder –
Göttlich, wie im Anbeginn.

Liebe schwingt den Seraphsflügel,
Wo der Gott der Götter thront,
Lohnt die Trän am Felsenhügel,
Wann der Richter einst belohnt,
Wann die Königsstühle trümmern,
Hin ist jede Scheidewand,
Biedre Herzen heller schimmern,
Reiner, denn der Krone Tand.

Laßt die Scheidestunde schlagen,
Laßt des Würgers Flügel wehn!
Brüder, drüben wird es tagen!
Schwestern, dort ist Wiedersehn!
Jauchzt dem heiligsten der Triebe,
Den der Gott der Götter gab,
Brüder, Schwestern, jauchzt der Liebe,
Sie besieget Zeit und Grab!

Friedrich Hölderlin (1770-1843, Deutscher Lyriker)

Die künftige Geliebte

Wenn ich dich Engel fände, wenn der nächste
Mond der knospenden Rosen meinem Arm dich
Brächte; dann, dann hätt ich den Himmel schon auf
Erden gefunden!
Jeglicher Pulsschlag würde heißer schlagen,
Jede Nerve der Seele heller zittern;
Umgeboren würd ich die Welt in neuer
Schönheit erblicken.
Trunken an ihrer weißen Brust entschlummern,
Und im Traume mit ihrem Busen tändeln,
Und, bestrahlt vom Morgen, in ihrer Arme
Himmel erwachen!
Wenn ich dich fände! Komm, du Engel Gottes,
Komm mein Leben zu heitern! Wenig Freuden
Sprießen auf den Ufern des Lebens! Engel,
Komm, mich zu heitern!

Ludwig Hölty (1748-1776, Deutscher Dichter)

Jüdische Sabbathymne

Auf dem Heimweg nach dem Gottesdienst am Freitagabend, dem Vorabend des Sabbat oder am Esstisch vor dem Abendessen am Freitagabend ist es im orthodoxen Judentum und konservativen Judentum üblich, die Engel mit einer traditonellen Hymne zu grüssen:

Shalom aleichem, malachi hasharet,
Malachi Elion,
Mimelech malechei hamelachim
Hakadosh baruch Hu.

Boachem leshalom, malachei hashalom,
Malachei Elion,
Mimelech malechei hamelachim
Hakadosh baruch Hu.

Barchuni leshalom, malachei hashalom,
Malachei Elion,
Mimelech malechei hamelachim
Hakadosh baruch Hu.

Tzeitchem leshalom, malachei hashalom,
Malachei Elion,
Mimelech malechei hamelachim
Hakadosh baruch Hu.

Friede sei mit euch, o dienende Engel, Boten des Allerhöchsten,
der höchste König der Könige, der Heilige, gepriesen ist er.

Tretet ein in Frieden, o dienende Engel, Boten des Allerhöchsten,
der höchste König der Könige, der Heilige, gepriesen ist er.

Segnet mich mit Frieden, o dienende Engel, Boten des Allerhöchsten,
der höchste König der Könige, der Heilige, gepriesen ist er.

Zieht in Frieden, O dienende Engel, Boten des Allerhöchsten,
der höchste König der Könige, der Heilige, gepriesen ist er.

Peace be to you, O ministering angels, messengers of the Most High,
the suprime King of kings, the Holy One, blessed is He.

Enter in peace, O ministering angels, messengers of the Most High,
the suprime King of kings, the Holy One, blessed is He.

Bless me with peace, O ministering angels, messengers of the Most High,
the suprime King of kings, the Holy One, blessed is He.

Depart in peace, O ministering angels, messengers of the Most High,
the suprime King of kings, the Holy One, blessed is He.

Pauken dröhnen,
Harfen tönen,
Flügel rauschen,
Engel lauschen
auf den Stufen.
Und sie rufen,
widerstrahlend Helligkeit
der Dreifaltigkeit:
Heilig, heilig, heilig!
Alle Schmerzen fliehen eilig,
froh macht jeden der Gesang,
der durch die Himmel drang.

Thomas von Kempen (1380-1471, Augustiner Chorherr, Mystiker, Schriftsteller)

Gebt dem Engel Bratkartoffeln
Kinderlied aus Italien

Kam ein Engel angeflogen
über die Berge, über Täler.
Kam ein Engel angeflogen,
larioli und lariola.

Hat ‘ne rote kalte Nase,
hat sich wohl zu uns verflogen
in dem kalten, kalten Winter,
larioli und lariola.

Gebt dem Engel zwei warme Pantoffeln
und ‘n Teller mit Bratkartoffeln
und dazu ein Spiegelei,
Schinkenspeck dabei.
Soll zusammen mit uns singen,
dass die Töne hell erklingen,
soll zusammen mit uns singen,
larioli und lariola.

Und am allernächsten Morgen
wollte unser Engel weiter,
wollte endlich weiterfliegen,
larioli und lariola.

Und er sagt: Der liebe Gott, der
kriegt im Himmel kalte Füsse
und will auf die Erde kommen,
larioli und lariola.

Will es allen Menschen sagen,
dass sie warm im Herzen werden
in dem kalten, kalten Winter,
larioli und lariola.

Wollt’ es allen Menschen sagen,
flog mit seiner roten Nase
über Berge, über Täler,
larioli und lariola.

Genius Astri

Durch die Kette deiner Leben
erdennah und erdenfern –
immer segnend dir zu Häupten
hält dein Engel deinen Stern.
Geh in Grauen, Not und Schande,
wandre aller Hoffnung bar,
auch im allertiefsten Dunkel
flammt das Licht, das ewig war.
Unter Dornen, unter Rosen,
unbeirrt seit Urbeginn
leuchtet über deiner Seele
das urewige ›Ich bin‹.
Jede Nacht kannst du es schauen,
neu zu jedem neuen Tag
rührt dich reinigend und sühnend
deines Engels Schwingenschlag.
Und befreit die Todesstunde
deines Wesens wahren Kern –
heimwärts in die ewige Heimat
trägt dein Engel deinen Stern.

Manfred Kyber (1880-1933, Deutscher Schriftsteller, Theaterkritiker, Dramatiker, Lyriker und Übersetzer)

Ad Astra

Nimm mich auf in deine Einheit,
aller Leben einiges All,
bade rein mich in der Reinheit
deines Meeres von Kristall.
Gib mir jenen Trank zu trinken,
der Vergessenheit verleiht,
laß die Seele sehnend sinken
in den Ring der Ewigkeit –
wo in diamantnen Fernen
Stern um Stern im Äther kreist.
Sternenengel, zu den Sternen
leite meinen ewigen Geist.

Manfred Kyber, 1918 (1880-1933, Deutscher Schriftsteller, Theaterkritiker, Dramatiker, Lyriker und Übersetzer)

Vox Coelesta

Lasst euch helfen, lasst euch halten –
aufwärts zieht der Engel Heer,
vielgestaltige Gestalten,
Mächte Throne und Gewalten –
aufwärts zum kristallnen Meer.

Aller Mühe, allem Ringen
gibt die heilige Schar Geleit.
Jedes Wesen zu durchdringen,
breitet schirmend seine Schwingen
eine Bruderwesenheit.

Lasst euch helfen, Helferhände
sind euch segnend zugesellt,
schaffen rastlos ohne Ende
eurer Seele Sonnenwende
und die Osternacht der Welt.

Lasst entsiegeln eure Sinne,
werdet Blut von seinem Blut,
dass ihr ruht in Maienminne,
wo im Schuss der Urbeginne
Judas rote Rose ruht.

Manfred Kyber (1880-1933, Deutscher Schriftsteller, Theaterkritiker, Dramatiker, Lyriker und Übersetzer)

Frauen, ihr Engel der Erde! Des Himmels lieblichste Schöpfung!
Ihr seid der einzige Strahl, der unser Leben erhellt.

Alphonse de Lamartine (1790-1869, Französischer Dichter, Schriftsteller und Politiker)

Engelskraft – von Layana Engel

Wenn uns ein Engel einmal aus seiner Philosophie erzählte, ich glaube, es müßten wohl manche Sätze so klingen als wie: 2 mal 2 ist 13.

Gotthold Ephraim Lessing (1729-1781, Deutscher Dichter)

Dass du aber noch lebest, sollst du dem Schutz und dem Schirm der heiligen Engel zusprechen.

Martin Luther (1483-1546, Augustinermönch, Theologe)

Die Engel sind uns ganz nahe
und schützen uns und Gottes Kreaturen
in seinem Auftrag.
Um uns schützen zu können,
haben sie lange Arme,
damit sie mit Leichtigkeit
Satan verjagen können.

Martin Luther (1483-1546, Augustinermönch, Theologe)

Wo zwanzig Teufel sind, das sind auch hundert Engel;
wenn das nicht so wäre,
dann wären wir schon längst zugrunde gegangen.

Martin Luther (1483-1546, Augustinermönch, Theologe)

Wo wir gehen und stehen,
sind wir zwischen Engeln und Teufeln.

Martin Luther (1483-1546, Augustinermönch, Theologe)

Fürbitten heißt: jemanden einen Engel senden.

Martin Luther (1483-1546, Augustinermönch, Theologe)

Die Gewänder der Engel
sind aus Scheu gewoben.

Hrabanus Maurus (um 780-856, Abt von Fulda und Gelehrter)

Leitung

Es wird ein Engel dir gesandt,
Um dich durchs Leben zu begleiten.
Er nimmt dich liebend an der Hand
Und bleibt bei dir zu allen Zeiten.
Er kennt den Weg, den du zu gehen hast,
Und trägt mit dir der Erde Leid und Last.

Es wird ein Engel dir gesandt,
Dem sollst du dich gern anvertrauen.
Auf ihn soll stets und unverwandt
Das Auge deiner Seele schauen.
Er trägt zu deinem Schutz das Schwert des Herrn
Und ist dir nie mit seiner Hülfe fern.

Es wird ein Engel dir gesandt,
Dem sollst du niemals widerstreben,
Und hast du ihn vielleicht verkannt,
So zwing ihn nicht, dich aufzugeben,
Denn bautest du auf deine Kraft allein,
Es würde nur zu deinem Unglück sein.

Karl May (1842-1912, Schriftsteller)
Aus: Himmelsgedanken, Gedichte von Karl May, Freiburg i.Br. (1900)

Dein Engel

O glaube nicht, du seist verlassen,
Wenn dir kein Mensch zur Seite steht.
Lern nur den leisen Hauch erfassen,
Der, wenn du klagst, dich lind umweht.
Es zieht ein sinnenfremdes Mahnen
Dein geistig Wesen zu sich hin:
»Willst du, willst du denn gar nicht ahnen,
Daß ich, dein Engel, bei dir bin?«

O wolle nicht darüber trauern,
Daß dich kein Mensch im Herzen trägt.
Dort, jenseits unsrer Kirchhofsmauern,
Giebts einen Puls, der für dich schlägt.
Er hat für dich schon hier geschlagen,
Und fühlst du ihn, so sagt er dir:
»Du wirst auf Flügeln stets getragen;
Ich bin dein Engel; glaub es mir!«

O laß dir nicht ins Auge steigen
Des Leides stille Thränenfluth.
Wiß, daß grad in den schmerzensreichen
Geschicken tiefe Weisheit ruht.
Grad in des Lebens schwersten Stunden
Spricht tröstend dir dein Engel zu:
»Durchs Leiden hast du mich gefunden;
Ich bin getrost; nun sei’s auch du!«

Karl May (1842-1912, Schriftsteller)
Aus: Himmelsgedanken, Gedichte von Karl May, Freiburg i.Br. (1900)

Meine Engel

Ich saß im lieben, trauten Stübchen,
Grad als der Tag dem Abend wich.
Mein kleines, süßes Herzensbübchen
Schlang seine Aermchen warm um mich.
Da strich, nicht etwa von der Sonne,
An uns vorbei ein lichter Schein,
Und ich gedachte voller Wonne:
»Das wird des Kindes Engel sein!«

Ich wachte an dem Krankenlager.
Es war so düster in dem Raum!
Der Leidenden Gesicht so hager;
Man unterschied die Züge kaum.
Wir beteten; da plötzlich legte
Sich um ihr Haupt ein lichter Schein,
Der den Gedanken in mir regte:
»Das wird der Kranken Engel sein!«

Er stand vor mir im halben Dunkel,
Die Klinge in der Faust bereit;
Des Augs verrätherisch Gefunkel
Gab mir zum Weichen nicht mehr Zeit.
Da, als er auszuholen wagte,
Floß zwischen uns ein heller Schein;
Es sank die Hand; ich aber sagte:
»Das wird vielleicht dein Engel sein!«

Es lag die Bibel aufgeschlagen,
Und der Verleumder stand dabei,
Um auf das heilge Buch zu sagen,
Daß seine Lüge Wahrheit sei.
Da war ein fremder Ton zu hören,
Wie überirdisch, warnend, fein.
Der Mann schrie auf: »Ich will nicht schwören,
Denn das, das wird mein Engel sein!«

Bin ich dereinst bereit zum Scheiden,
Und ihr steht weinend um mich her,
So mag es Tröstung euch bereiten,
Daß ich zurück zum Vater kehr.
Habt Acht auf einen lichten Schimmer,
Auf einen Ton, ersterbend lind,
Und trifft es ein, so zweifelt nimmer,
Daß dies dann meine Engel sind!

Karl May (1842-1912, Schriftsteller)
Aus: Himmelsgedanken, Gedichte von Karl May, Freiburg i.Br. (1900)

Die Seele in ihrer höchsten Vollendung
ist wie Gott, aber ein Engel vermittelt
eine genaue Vorstellung von ihm.
Das ist ein Engel: eine Vorstellung von Gott.

The soul at its highest is found like God,
but an angel gives a closer idea of Him.
That is all an angel is: an idea of God.

Meister Eckhart (1260-1328, Theologe und Philosoph)

Wer werden will, was er sein sollte, der muss lassen, was er jetzt ist.
Als Gott die Engel schuf, da war der erste Blick, den sie taten,
dass sie des Vaters Wesen sahen
und wie der Sohn aus dem Herzen des Vaters herauswuchs
recht wie ein grünes Reis aus einem Baume.
Diese freudenreiche Anschauung haben sie mehr als sechstausend Jahre gehabt,
und wie sie ist, das wissen sie heutigen Tages nicht mehr,
als damals, wie sie eben geschaffen waren.
Und das kommt von der Grosse der Erkenntnis:
denn je mehr man erkennt, desto weniger versteht man.

Meister Eckhart (1260-1328, Theologe und Philosoph)
In: Sprüche, 9

Die Kapelle der unschuldigen Kindlein

Aus Henkerfäusten flogen zum Himmel sie empor,
Sie treten zwei und zweie hinein ins sel’ge Tor,
Einand‘ am Händchen haltend und singend wohlgemut,
Sie tragen in den Locken ein leuchtend Mal von Blut.

»Wir kommen in den Himmel – und solches ist uns lieb –
Weil das gelobte Kindlein statt unser unten blieb!
Wir litten für das Büblein den herben Todeskuß,
Den es am bittern Kreuze statt unser leiden muß!«

Die Engel alle kommen heran in hellem Flug,
Sie bringen schönes Spielzeug und Blumenlust genug.
Jetzt führen sie den Reigen mit Fiedel und Schalmei…
Es klagt aus ferner Tiefe der Mütter Wehgeschrei.

Conrad Ferdinand Meyer (1825-1898, Schweizer Dichter)

Es war einmal eine Glocke

Es war einmal eine Glocke,
die machte baum, baum…
Und es war einmal eine Flocke,
die fiel dazu wie im Traum…

Die fiel dazu wie im Traum…
Die sank so leis hernieder,
wie ein Stück Engleingefieder
aus dem silbernen Sternenraum.

Es war einmal eine Glocke,
die machte baum, baum…
Und dazu fiel eine Flocke,
so leis als wie ein Traum…

So leis als wie ein Traum…
Und als vieltausend gefallen leis,
da war die ganze Erde weiss,
als wie vom Engleinflaum.

Da war die ganze Erde weiss,
als wie von Engleinflaum.

Christian Morgenstern (1871-1914, Deutscher Dichter, Schriftsteller, Übersetzer)

Zum neuen Jahr

Wie heimlicher Weise
Ein Engelein leise
Mit rosigen Füßen
Die Erde betritt,
So nahte der Morgen.
Jauchzt ihm, ihr Frommen,
Ein heilig Willkommen,
Ein heilig Willkommen!
Herz, jauchze du mit!
In Ihm sei’s begonnen,
Der Monde und Sonnen
An blauen Gezelten
Des Himmels bewegt.
Du, Vater, du rate!
Lenke du und wende!
Herr, dir in die Hände
Sei Anfang und Ende,
Sei alles gelegt!

Eduard Mörike (1804-1879, Deutscher Lyriker, Erzähler, Übersetzer)
Vertonung von Hugo Wolf: Mörike-Lieder, Nr.27, 1888

Noten für Klavier und Singstimme: Zum neuen Jahr

Die kleine Brigg, genannt “das Engelchen”

Engelchen: so nennt man mich –
Jetzt ein Schiff, dereinst ein Mädchen,
Ach, noch immer sehr ein Mädchen!
Denn es dreht um Liebe sich
Stäts mein feines Steuerrädchen.

Engelchen: so nennt man mich –
Bin geschmückt mit hundert Fähnchen,
Und das schönste Kapitänchen
Bläht an meinem Steuer sich,
Als das hundert erste Fähnchen.

Engelchen: so nennt man mich –
Ueberall hin, wo ein Flämmchen
Für mich glüht, lauf ich ein Lämmchen
Meinen Weg sehnsüchtiglich:
Immer war ich solch ein Lämmchen.

Engelchen: so nennt man mich –
Glaubt ihr wohl, dass wie ein Hündchen
Bell’n ich kann und dass mein Mündchen
Dampf und Feuer wirft um sich?
Ach, des Teufels ist mein Mündchen!

Engelchen: so nennt man mich –
Sprach ein bitterböses Wörtchen
Einst, dass schnell zum letzten Oertchen
Mein Geliebtester entwich:
Ja, er starb an diesem Wörtchen!

Engelchen: so nennt man mich –
Kaum gehört, sprang ich vom Klippchen
In den Grund und brach ein Rippchen,
Dass die liebe Seele wich:
Ja, sie wich durch dieses Rippchen!

Engelchen: so nennt man mich –
Meine Seele, wie ein Kätzchen,
That eins, zwei, drei, vier, fünf Sätzchen,
Schwang dann in dies Schiffchen sich –
Ja, sie hat geschwinde Tätzchen.

Engelchen: so nennt man mich –
Jetzt ein Schiff, dereinst ein Mädchen,
Ach, noch immer sehr ein Mädchen!
Denn es dreht um Liebe sich
Stäts mein feines Steuerrädchen.

Friedrich Nietzsche (1844-1900, Philologe, Philosoph)

Und der Engel breitete
Die strahlenden Arme weit aus –
Und es war als zög er die aufatmende Erde
Näher dem Himmel, näher der Gottheit.
Goldene Strahlenringe zog der Engel von seinen Fingern,
Verteilte sie dahin und dorthin;
Und die Ringe wurden zu Heiligenscheinen,
Zu Himmelsglorien auf den Gipfeln der Berge,
Dahin sie der Engel geworfen.

Louise Otto (1819-1895, Schriftstellerin, Mitbegründerin der deutschen Frauenbewegung)
Auszug aus: Wartburg, I

Wir sollen Engel und nicht Teufel werden,
darum sind wir erschaffen und in die Welt geboren worden.
Darum sei und bleibe, wozu dich Gott bestimmt hat.

Paracelsus (1493-1541, Arzt, Alchemist, Astrologe, Mystiker, Laientheologe und Philosoph)

Was ist Sterben?

Zum Engel der letzten Stunde,
den wir so hart den Tod nennen,
wird uns der weichste, gütigste Engel zugeschickt,
damit er gelinde und sanft das niedersinkende Herz
des Menschen vom Leben abpflücke
und es in warmen Händen und ungedrückt aus der kalten Brust
in das hohe, wärmende Eden trage.
Sein Bruder ist der Engel der ersten Stunde,
der den Menschen zweimal küsset,
das erste Mal, damit er dieses Leben anfange,
das zweite Mal, damit er droben ohne Wunden aufwache
und in das Andere lächelnd komme,
wie in dieses Leben weinend.

Jean Paul (1763-1825, Deutscher Schriftsteller)

Heiliger Michael,
du warst der erste Streiter für die
Königsherrschaft Christi;
bitte für uns!

Pius XI (1857-1939, Papst von 1922 bis 1939)

Die Kraft des Gefieders der Engel besteht darin,
das Schwere emporzuheben und hinaufzuführen,
wo das Geschlecht der Götter wohnt.

Platon (428/427 v. Chr.- 348/347 v. Chr., Griechischer Philosoph)

Israfel

Ein Geist wohnt in den Höhn,
»Dessen Herz einer Laute gleicht«;
Wie Israfel so schön
Singt keiner in den Höhn;
Die Sterne, die sich kreisend drehn,
Verstummen im Vorübergehn,
Wenn der Klang sie erreicht.

Und wenn im Weltgetriebe
Der wechselnde Mond
Am höchsten thront,
Erglüht er von Liebe;
Und horchend verharren der rote Blitz
Und die sieben Plejaden stockenden Schritts
Auf ihrem Himmelssitz.

Und sie sagen (der sternige Rat
Und alle Lauscher in seinem Geleite),
Daß Israfel sein Feuer
Verdanke jener Leier,
Die seine Stimme weihte –
Dem bebenden lebenden Draht
Jener ungewöhnlichen Saite.

Doch die Höhn, wo der Engel wohnt,
Wo hohe Gedanken, Pflicht und Zoll,
Wo, erwachsene Gottheit, die Liebe thront,
Wo die Huri blickt, sind nah und fern
Von all der Schönheit voll,
Die wir schätzen an einem Stern.

Drum gehst du recht in deinem Drang,
O Israfel, du weiser Barde!
Verachtend glutenlosen Sang
Gab dir der Ruhm den höchsten Rang,
Dein ist der Lorbeer, bester Barde!
Heiter lebe und lang!

Und die Verzückungen drüben,
Sie passen zu deinem feurigen Reigen,
Deinem Gram, deiner Lust, deinem Haß, deinem Lieben,
Sind ganz deiner Inbrunst zu eigen –
Wohl mögen die Sterne schweigen!

Ja, der Himmel ist dein! Doch dieser Welt
Ist Süß und Sauer gemein;
Unsre Blumen können nur – Blumen sein;
Der Schatten deiner Wonne fällt
Auf uns als Sonnenschein.

O wär ich schnell,
Wo Israfel
Gewohnt, und er wär ich –
Er säng wohl nicht so flammend hell
Ein sterblich Lied; doch ich,
Ich säng aus solcher Leier Quell
Ein Lied, dem keines glich!

Edgar Allan Poe (1809-1849, Schriftsteller)

Aus: der 2.ten Elegie der Duineser Elegien

Ihr Engel! Wer seid ihr?
Frühe Geglückte, ihr Verwöhnten der Schöpfung,
Höhenzüge, morgenrötliche Grate
aller Erschaffung, – Pollen der blühenden Gottheit,
Gelenke des Lichtes, Gänge, Treppen, Throne,
Räume aus Wesen, Schilde aus Wonne, Tumulte
stürmisch entzückten Gefühls und plötzlich, einzeln,
Spiegel: die die entströmte eigene Schönheit
wiederschöpfen zurück in das eigene Antlitz.

Rainer Maria Rilke (1875-1926, Lyriker)

Die Engel

Sie haben alle müde Münde
und helle Seelen ohne Saum.
Und eine Sehnsucht (wie nach Sünde)
geht ihnen manchmal durch den Traum.

Fast gleichen sie einander alle;
in Gottes Gärten schweigen sie,
wie viele, viele Intervalle
in seiner Macht und Melodie.

Nur wenn sie ihre Flügel breiten,
sind sie die Wecker eines Winds:
als ginge Gott mit seinen weiten
Bildhauerhänden durch die Seiten
im dunklen Buch des Anbeginns.

Rainer Maria Rilke (1875-1926, Lyriker)
22.7.1899, Berlin-Schmargendorf

Engellieder

Ich ließ meinen Engel lange nicht los,
und er verarmte in meinen Armen
und wurde klein, und ich wurde groß:
und auf einmal war ich das Erbarmen,
und er eine zitternde Bitte bloß.

Da hab ich ihm seinen Himmel gegeben, –
und er ließ mir das Nahe, daraus er entschwand;
er lernte das Schweben, ich lernte das Leben,
und wir haben langsam einander erkannt …

Seit mich mein Engel nicht mehr bewacht,
kann er frei seine Flügel entfalten
und die Stille der Sterne durchspalten, –
denn er muß meine einsame Nacht
nicht mehr die ängstlichen Hände halten –
seit mein Engel mich nicht mehr bewacht.

Hat auch mein Engel keine Pflicht mehr,
seit ihn mein strenger Tag vertrieb,
oft senkt er sehnend sein Gesicht her
und hat die Himmel nicht mehr lieb.

Er möchte wieder aus armen Tagen
über der Wälder rauschenden Ragen
meine blassen Gebete tragen
in die Heimat der Cherubim.

Dorthin trug er mein frühes Weinen
und Bedanken, und meine kleinen
Leiden wuchsen dort zu Hainen,
welche flüstern über ihm …

Wenn ich einmal im Lebensland,
im Gelärme von Markt und Messe –
meiner Kindheit erblühte Blässe:
meinen ernsten Engel vergesse –
seine Güte und sein Gewand,
die betenden Hände, die segenende Hand, –
in meinen heimlichsten Träumen behalten
werde ich immer das Flügelfalten
das wie eine weiße Zypresse
hinter ihm stand …

Seine Hände blieben wie blinde
Vögel, die, um die Sonne betrogen,
wenn die andern über die Wogen
zu den währenden Lenzen zogen,
in der leeren, entlaubten Linde
wehren müssen dem Winterwinde.

Auf seinen Wangen war die Scham
der Bräute, die über der Seele Schrecken
dunkle Purpurdecken
breiten dem Bräutigam.

Und in den Augen lag
Glanz von dem ersten Tag, –
aber weit über allem war
ragend das tragende Flügelpaar …

Um die vielen Madonnen sind
viele ewige Engelknaben,
die Verheißung und Heimat haben
in dem Garten, wo Gott beginnt.
Und sie ragen alle nach Rang,
und sie tragen die goldenen Geigen,
und die Schönsten dürfen nie schweigen:
ihre Seelen sind aus Gesang.
Immer wieder müssen sie
klingen alle die dunklen Chorale,
die sie klangen vieltausend Male:
Gott stieg nieder aus seinem Strahle
und du warst die schöne Schale
Seiner Sehnsucht, Madonna Marie.

Aber oft in der Dämmerung
wird die Mutter müder und müder, –
und dann flüstern die Engelbrüder,
und sie jubeln sie wieder jung.
Und sie winken mit den weißen
Flügeln festlich im Hallenhofe,
und sie heben auss den heißen
Herzen höher die Strophe:
Alle, die in Schöhnheit gehn,
werden in Schöhnheit auferstehn.

Rainer Maria Rilke (1875-1926, Lyriker)
22.2.1898, Berlin-Wilmersdorf

Der Schutzengel

Du bist der Vogel, dessen Flügel kamen,
wenn ich erwachte in der Nacht und rief.
Nur mit den Armen rief ich, denn dein Namen
ist wie ein Abgrund, tausend Nächte tief.
Du bist der Schatten, drin ich still entschlief,
und jeden Traum ersinnt in mir dein Samen, –
du bist das Bild, ich aber bin der Rahmen,
der dich ergänzt in glänzendem Relief.
Wie nenn ich dich? Sieh, meine Lippen lahmen.
Du bist der Anfang, der sich groß ergießt,
ich bin das langsame und bange Amen,
das deine Schönheit scheu beschließt.
Du hast mich oft aus dunklem Ruhn gerissen,
wenn mir das Schlafen wie ein Grab erschien
und wie Verlorengehen und Entfliehn, –
da hobst du mich aus Herzensfinsternissen
und wolltest mich auf allen Türmen hissen
wie Scharlachfahnen und wie Draperien.
Du: der von Wundern redet wie vom Wissen
und von den Menschen wie von Melodien
und von den Rosen: von Ereignissen,
die flammend sich in deinem Blick vollziehn, –
du Seliger, wann nennst du einmal Ihn,
aus dessen siebentem und letztem Tage
noch immer Glanz auf deinem Flügelschlage
verloren liegt…
Befiehlst du, daß ich frage?

Rainer Maria Rilke (1875-1926, Lyriker)

Neujahrs-Segen zu 1901

Ein Jahr, ganz voll von neuen Dingen:
ein neues, niegekanntes Jahr, –
(von welchem jene Engel singen,
die sich auf ausgewachsnen Schwingen
erheben aus der Schwesterschar) –
ein Jahr, das bauen will und bringen,
das von zwei Händen und zwei Ringen
und wie sie zueinander gingen,
erzählt -; halb Märchen, wunderbar
und halb schon wirklich wird das Jahr;
und seine reifen Stunden klingen
für das, was wird, von dem, was war…

Rainer Maria Rilke (1875-1926, Lyriker)

Das kleine Mädchen

Welch ein Lächeln, welch ein Blick!
Welch ein wonniges Vergnügen,
Welche Unschuld in den Zügen! –
O ein Bild von Edens Glück.

Wohl dir Engel, im Genuß
Edler Menschheit, theurer Rechte,
Die kein Modezwang noch schwächte,
Wohl im seeligen Genuß.

Ungekräuselt, ungeschmückt
Sind noch deiner Brust Gefühle,
Ungekünstelt deine Spiele,
Und dein Köpfchen unverrückt.

Nennst mit unverstelltem Mund
Jedes Ding bey seinem Namen,
Suchst nicht witzig auszukramen,
Machst nur Herzensmeinung kund.

Hüpfst mit unbefangnem Sinn,
Und doch lieblich, und doch blühend,
Alle Herzen an dich ziehend,
Auf die Frühlingsfluren hin.

Schöngeschmücktre giebt es zwar;
All dein Schmuck – ein Leinenröckchen
Und ein Kranz von Mayenglöckchen
Im gelockten braunen Haar. – –

Und doch, guten Leute, doch,
O ich bitte, ich beschwöre
Euch bey eures Putzes Ehre:
Schont mir dieses Engels noch!

Schont des lieben Mädchens noch;
Laßt ihm noch das Leinenröckchen,
Noch den Kranz von Mayenglöckchen
Im gelockten Haare doch.

Laßt ihm noch den Engelssinn,
Und des Herzens süße Stille;
Laßt ihm noch der Freuden Fülle,
Laßt ihm noch den Engelssinn.

Höhnt die süße Einfalt nicht,
Die ein Blümchen höher achtet
Als den Tand, wonach ihr schmachtet,
Höhnt die holde Einfalt nicht.

Ach! noch kennt sie nicht Begier –
Seht in ihren Engelszügen
Dieses frohe fromme Gnügen:
Seht, das Himmelreich ist ihr!

Caroline Rudolphi (1753 – 1811, Deutsche Erzieherin, Dichterin, Schriftstellerin)

Engel umschweben uns,
Wo wir auch gehn,
Engel umgeben uns,
Wie wir uns drehn.

Doch wir erkennen sie
Nicht in dem Licht,
Und zu benennen sie
Wissen wir nicht.

Friedrich Rückert (1788-1866, Deutscher Dichter, Übersetzer)

So sehr verlangen wir manchmal, Engel zu werden, daß wir vergessen, gute Menschen zu sein.

Franz von Sales (1567-1622, Ordensgründer, Mystiker und Kirchenlehrer)

“Macht euch mit den Engeln vertraut
und nehmt sie so oft wie möglich in eurem Innern wahr;
denn wenn ihr sie auch nicht sehen könnt,
so sind sie doch stets bei euch.”

Franz von Sales (1567-1622, Ordensgründer, Mystiker und Kirchenlehrer)

Der lachende Engel

Wie war’s doch nur?
Im Himmel schwebten
Große blanke Diskusscheiben –
Auf denen drehten sich blutrote Nüsse.
Doch alles schlug ein böser Geist entzwei.
Ein Engel lacht dazu
Und spritzt mit Vitriol.
Jawohl! Jawohl!

Paul Scheerbart (1863-1915, Deutscher Schriftsteller und Zeichner)
Aus: Katerpoesie

Seht ihr den Regenbogen in der Luft?
Der Himmel öffnet seine goldnen Tore,
im Chor der Engel steht sie glänzend da,
sie hält den ew’gen Sohn an ihrer Brust,
die Arme streckt sie lächelnd mir entgegen.
Wie wird mir? Leichte Wolken heben mich
– der schwere Panzer wird zum Flügelkleide.
Hinauf – hinauf – Die Erde flieht zurück.
Kurz ist der Schmerz, und ewig ist die Freude.

Friedrich von Schiller (1759-1805, Deutscher Dichter, Philosoph, Historiker)
„Johanna“ in ‚Die Jungfrau von Orleans‘, Schluß

Engel Gottes – Angel of God – Angele Dei
Traditionelles katholisches Gebet – Traditional catholic Prayer

Engel Gottes, du mein Hort,
durch den mich seine Liebe schützt,
ob Tag oder Nacht, sei mir zur Seite,
leuchte und schütze, lenke und leite.
Amen.

Angel of God, my guardian dear,
to whom God’s love commits me here,
ever this day, be at my side
to light, to guard, to rule and guide.
Amen.

Angele Dei,
qui custos es mei,
me, tibi commissum pietate superna,
illumina, custodi, rege et guberna.
Amen.

Hl. Schutzengel mein,
lass mich Dir empfohlen sein.
In allen Nöten steh mir bei
und halte mich von Sünden frei.

An diesem Tag, ich bitte Dich,
beschütz, regier und leite mich.
Hilf mir leben gut und fromm,
dass ich zu Dir in den Himmel komm.

Beschütze heut, ich bitte dich,
du, heiliger Engel Gottes mich!
Du hast mich lieb, ich liebe dich,
so soll es bleiben ewiglich.

In dieser Nacht, ich bitte Dich,
beschütze und bewahre mich. Amen

Hl. Schutzengel mein,
lass mich Dir empfohlen sein,
dass mein Herz von Sünden frei
allzeit Gott gefällig sei!

Schutzengel, lieber Wächter mein,
lass mich dir anbefohlen sein!
Am Tag und in der langen Nacht
halt über mir die stille Wacht!

O Engel rein, o Schützer mein,
lass mich dir stets befohlen sein.
bei jedem Schritt, bei jedem Tritt
geh du, mein lieber Engel, mit.
Wo ich auch geh‘ und wo ich auch steh‘,
sei du, mein Engel, in der Näh‘;
vor der Gefahr zur Sünd‘ bewahr
mich heil’ger Engel immerdar. Amen.

Schutzengel mein,
Hüt’ mich fein
Tag und Nacht,
Früh und spät
Bis mein’ Seel’
In Himmel fährt!

Sie kommen noch immer durch den aufgebrochenen Himmel,
die friedlichen Schwingen ausgebreitet,
und ihre himmlische Musik schwebt über der ganzen müden Welt…

William Shakespeare (1564-1616, Englischer Dramatiker, Lyriker und Schauspieler)

Sieh,
wie die Himmelsflur ist eingelegt mit Scheiben lichten Goldes!
Auch nicht der kleinste Kreis, den du da siehst
der nicht im Schwunge wie ein Engel singt
zum Chor der hellgeaugten Cherubim.
So voller Harmonie sind ewige Geister.
Nur wir, weil dies hinfällige Kleid von Staub ihn grob umhüllt,
wir können sie nicht hören. (Lorenzo)

William Shakespeare (1564-1616, Englischer Dramatiker, Lyriker und Schauspieler)

Wer singt mit den Engeln?

Wer sich nur einen Blick kann über sich erschwingen,
Der kann das Gloria mit Gottes Engeln singen.

Angelus Silesius (1624-1677, Lyriker, Theologe, Arzt)
Aus: Cherubinischer Wandersmann, Zweites Buch, Vers 72

Unsere Gefühle, unsere Überzeugungen und unsere Worte ergeben gemeinsam das Gebet an die Engel.
Stimmen diese drei Punkte überein, erhalten wir ein reineres Ergebnis, als wir es uns je hätten wünschen können.

Cordula Simmes – ENGELWELTEN – BLOG

Alles hat seinen Engel:
Zeiten und Jahre,
Flüsse und Meere,
Früchte und Gras,
Schnee und Wolken,
die Sterne.

Slawisches Henochbuch

Zum heiligen Erzengel Michael

Unüberwindlich starker Held, Sankt Michael!
Komm uns zu Hilf, zieh mit zu Feld!
Hilf uns im Streite,
zum Sieg uns leite, Sankt Michael!
Die Kirch dir anbefohlen ist, Sankt Michael!
Du unser Schutz- und Schirmherr bist.
Hilf uns im Streite,
zum Sieg uns leite, Sankt Michael!

Friedrich Spee (1591-1635, Deutscher Jesuit, Moraltheologe, Lyriker und Schriftsteller)

Wie ein Engel ausschauen ist leichter, als einer sein.

Wenn die bösen Engel in einen Menschen fahren können,
so können es auch die guten.
(Opel, 295; Pistor., I, 119)

Sprichwort aus Deutschland

Denkst du an Engel, so bewegen sie ihre Flügel.

Sprichwort aus Israel

Engel können fliegen, weil sie sich selbst so leicht nehmen.

Sprichwort aus Schottland

Man weiß erst, ob man einem Engel ins Gesicht gesehen hat, wenn er wieder gegangen ist.

Wenn ein Kind stolpert, hält ein guter Engel seine Hand hin.

Sprichwort aus dem Judentum

Hell mit Sonnenfarben gemalt
Schweben die Wollustbilder noch alle
Vor mir, jedes von einer Scene
Die mich glücklich gemacht, und jede beschlossen
Dankvoll für den Geber des Weibes,
Das mich wiedergab dem Geber des Guten.
Wonne, o Wonne der Liebe des Weibes,
Klug wie ein Engel, und Engel von Antliz,
Das unaussprechlich mit milder Erröthung
Jeden Wollustgenuss lieblicher würzt,
Ewiger Liebe Vorgeschmak schafft.

Aus dem Gedicht ‘LXVI, den 2ten August’
‘Erotische Gedichte’, bey Christian Ludewig Stahlbaum, Berlin 1870

Der Kaffee muss schwarz sein wie der Teufel,
heiß wie die Hölle, rein wie ein Engel
und süß wie die Liebe.

Charles-Maurice de Talleyrand-Périgord (1754-1838, einer der bekanntesten französischen Staatsmänner sowie Diplomat während der Französischen Revolution, der Napoleonischen Kriege und beim Wiener Kongress)

Jesus sprach:
Die Engel und die Propheten werden zu euch kommen,
und sie werden euch geben, was euer ist.
Und ihr selbst, was in euren Händen ist, gebt es ihnen
und sagt euch selbst:
An welchem Tag werden sie kommen,
um zu empfangen, was das ihre ist?

Thomasevangelium, Vers 88

Der Herbst des Einsamen

Der dunkle Herbst kehrt ein voll Frucht und Fülle,
Vergilbter Glanz von schönen Sommertagen.
Ein reines Blau tritt aus verfallener Hülle;
Der Flug der Vögel tönt von alten Sagen.
Gekeltert ist der Wein, die milde Stille
Erfüllt von leiser Antwort dunkler Fragen.

Und hier und dort ein Kreuz auf ödem Hügel;
Im roten Wald verliert sich eine Herde.
Die Wolke wandert übern Weiherspiegel;
Es ruht des Landmanns ruhige Geberde.
Sehr leise rührt des Abends blauer Flügel
Ein Dach von dürrem Stroh, die schwarze Erde.

Bald nisten Sterne in des Müden Brauen;
In kühle Stuben kehrt ein still Bescheiden
Und Engel treten leise aus den blauen
Augen der Liebenden, die sanfter leiden.
Es rauscht das Rohr; anfällt ein knöchern Grauen,
Wenn schwarz der Tau tropft von den kahlen Weiden.

Georg Trakl (1887-1914, Dichter)
Aus: Sebastian im Traum
Das Gedicht ist das achte und letzte Gedicht des gleichnamigen Abschnitts im Gedichtzyklus „Sebastian im Traum“.

Mein Schutzgeist, mein Engel, mein Lieb

Umschwebst du nicht leise als Schatten,
mein gütiger Engel, mich hier
und tröstest den Müden, den Matten,
und redest kaum hörbar mit mir?
Du weckst in beglückenden Stunden
des Schaffens oft zaghafter Trieb,
du heilst meine blutenden Wunden,
mein Schutzgeist, mein Alles, mein Lieb.

Peter Tschaikowski (1840-1893, Russischer Komponist)

Ich weiß nicht, wo die Engel leben, ob in der Luft, im leeren Raum, oder auf Planeten.
Gott hat nicht gewollt, dass wir davon Kenntnis erhielten.

Voltaire (1694-1878, Autor)

Denen zeigt sich der Engel,
die Symbole zu deuten wissen,
den Poeten,den Dichtern
und den nach Wahrheit Suchenden.

Theodora Ward

Gleich Ra erneur’ ich mich täglich.
Niemand kann meine Arme festbinden,
oder meine Hände zur Starrheit verdammen:
weder die Götter noch die geheiligten Geister,
weder die Ahnen noch die Gefallnen der Hölle,
nicht die Eingeweihten noch die Engel des Himmels!
Ich bin die Seele, die Hemmung nicht kennt im Vorwärtsschreiten.

Aus dem Ägyptischen Totenbuch, Kapitel 42